Reisebericht von einer Rundreise mit RSD durch Marokko - Reiseberichte von Hawaii und anderen Trauminseln

Maui Hookipa Strand

Reiseberichte von Paul Tresselt

Direkt zum Seiteninhalt

Reisebericht von einer Rundreise mit RSD durch Marokko

Reiseberichte
Reisebericht:  Rundreise mit RSD durch Marokko
Auf den Spuren  der Könige zu den 6 bedeutendsten UNESCO-Weltkulturstätten
               
Wenn ein Prospekt ins Haus   geflattert kommt, in dem eine einwöchige Rundreise durch Marokko für 289   Euro angeboten wird, so ist das schon ein verlockendes Angebot. Das   empfanden wir auch und buchten bei RSD die exklusive Studienreise    Marokko. Der Besuch der 4 Königsstädte mit weiteren UNESCO-   Weltkulturerbestätten schien uns durchaus lohnenswert zu sein, zumal das   angebotene Programm sehr attraktiv war.
Nun ist die beste Reisezeit mit einem angenehmen Klima ein wichtiges   Kriterium und deshalb entschieden wir uns nach einem Studium der   Klimatabellen für den Monat April, da der Oktober wegen anderer Termine   nicht möglich war. Das war eine gute Entscheidung, denn der Frühling   sorgt in Marokko für wunderschön saftige grüne Felder und Berghänge, die   zu anderen Zeiten braun und  trocken aussehen.
Diese Entscheidung kostete uns natürlich sofort einen Saisonzuschlag von   300 Euro. Dazu nahmen wir das angebotene Genuss- und Kulturpaket für   139.- Euro hinzu, in dem die Halbpension und die Eintrittsgelder für die   Sehenswürdigkeiten enthalten waren. Der fakultative Ausflug nach   Essaouira erschien uns auch interessant, sodass wir den für 49.-- € dazu   nahmen. Weil wir von Düsseldorf abfliegen wollen, mussten wir noch mit   einem Flughafenzuschlag von 90.- € rechnen So waren aus dem Angebot von   289.- € schnell echte und ehrliche 867.- Euro geworden. Mit diesem Preis   muss man also rechnen, wenn man ein zufriedenstellendes Reiseerlebnis   haben will.

Montag, 9. März 2015
Sehr ärgerlich ist die erste   Kontaktaufnahme mit RSD (= Reise Service Deutschland), denn die Dame am anderen Ende der   Telefonschleife will uns partout nicht verraten, wann der Abflugtermin   ist. Sie will uns weder die Flugnummer, noch die Fluggesellschaft, noch   den Abflugtermin nennen. Schließlich möchten wir doch wissen, mit   welcher Maschine wir fliegen und ob wir früh aufstehen müssen - was wir   nämlich befürchten.
Einige Tage später kommt dann die negative Überraschung: Uns wird mitgeteilt,   dass der Flug und auch der Abflugort verschoben wurden. Wir fliegen nicht   am 12.4. ab Düsseldorf, sondern am 14.4. ab Köln. Das hätten wir nicht   erwartet, aber die Konsequenz ist natürlich auch der höchst unangenehme   Abflugtermin von 04:40 Uhr in der Nacht, denn durch das Nachtflugverbot   in Düsseldorf wären wir davor geschützt gewesen.
Sehr negativ finden wir auch, dass wir nicht gesagt bekommen, in welchen   Hotels wir übernachten. Alles scheint irgendwie noch nicht festzustehen. Das ist kein guter Service von RSD!
 
Mittwoch, 8.4.2015
Durch Zufall   erfahre ich von einem Freund aus Wesseling bei Köln, dass er gerade aus Marokko von einer   Rundreise mit RSD zurückgekommen ist. Da interessiert mich natürlich   brennend, wie die Reise gewesen ist und wo er übernachtet hat. Er ist   eigentlich von dem Programm ganz begeistert und mit den Hotels auch   zufrieden, weil man ja bei dem Preis nicht viel erwarten kann. Er macht   mir klar, dass man vier Sterne Landeskategorie Marokko nicht mit   deutschen 4-Sterne-Hotels vergleichen kann und gibt mir den Rat,   unbedingt etwas gegen Durchfall mitzunehmen, weil sie schon am ersten   Tag die Reiseroute ändern mussten, da es einige Passagiere im Bus erwischt   hatte...
So schaue ich mir also die von ihm genannten Hotels im Internet an und   lese die dazu gehörigen Beurteilungen von Holidaycheck und Tripadvisor.   Mit gemischten Gefühlen bin ich anschließend gespannt, was wir erleben   werden.

Dienstag, 14.4. 2015
Flug nach Marrakech
Um 01:00 Uhr in der Nacht starten wir   mit dem Auto zu Hause, holen noch jemanden ab und sind um 02:00 Uhr am   Parkhaus P3 in Köln, wo wir unseren Wagen lassen. Es ist ziemlich kühl,   als wir mit den Koffern zum Terminal marschieren.
Das Einchecken geht sehr schnell und die vollbesetzte Boeing 737-800 von   Sun Express startet um 4:50 Uhr. Der Flug ist ruhig und es gibt sogar   Kekse und Getränke. Beim Anflug auf Marrakech ist es sehr diesig und der   Pilot findet die Landebahn nicht richtig. Also startet er durch und   macht einen neuen Anflug. Das ist schon sehr spannend. Auch der zweite   Versuch klappt nicht und wir starten wieder durch. Ein seltsames Gefühl   beschleicht mich. Einen dritten Versuch riskiert der Pilot nicht,   sondern es kommt die Durchsage, dass wir stattdessen nach Agadir   fliegen.
Bei schönem Wetter landen wir dort um 9:05 Uhr. Zunächst ist guter Rat   teuer, was jetzt weiter passiert. Alle 200 Passagiere sind sehr   verunsichert. Der Kapitän erklärt nach einer Weile, dass nach   Rücksprache mit RSD die Entscheidung getroffen wurde, nach Marrakech   zurückzufliegen, sobald das Wetter besser geworden ist. Alle Passagiere   müssen im Flugzeug sitzen bleiben.
Um 10:15 Uhr starten wir wieder und landen   um 11:25 Uhr in Marrakech. Hier ist es jetzt wegen der Zeitverschiebung   eine Stunde früher, also erst 10:25 Uhr. Die Temperatur beträgt 13°C.
Es dauert aber noch eine ganze Stunde, bis wir durch die Immigration   sind und unser Gepäck vom Band geholt haben. Wir tauschen erst einmal   etwas Geld um und machen uns mit der marokkanischen Währung vertraut:  
Für 100 Euro haben wir 1035 Dirham (MAD) bekommen. Der Wechselkurs ist also 1:10, das ist prima zu merken.
Am Flughafenausgang schickt ein Reiseleiter alle zum Parklatz auf der   anderen Straßenseite, wo die Busse warten. 10 Busse stehen dort auf dem Parkplatz .
Dort steht jemand mit Listen   und nachdem wir unsere Namen angegeben haben, werden wir dem Bus Nummer   4 zugeordnet. Den finden wir aufgrund der großen Schilder schnell unter   den dort parkenden Reisebussen heraus. Ein fleißiger Helfer klebt sofort   ein Etikett auf unseren Koffer und malt mit Filzstift eine "11" darauf.   Das ist jetzt die Busnummer für die ganze Reise.  Wir stellen unsere Uhren um und starten   unsere Rundreise um 11:50 Uhr mit 5 Bussen.  Das sind jetzt praktisch alle 200 Passagiere, die in dem Flugzeug gesessen haben. Unser Reiseleiter heißt   Çaglar und ist Türke. Das verwundert uns doch sehr, aber er spricht gut   Deutsch und macht einen cleveren Eindruck.
Da wir erst am späten Nachmittag in unser Hotel in Marrakech  können, machen wir zuerst einen Ausflug in die Berge.
Wir erfahren, dass auch ein marokkanischer   Reiseleiter mit Namen Mohammed im Bus ist und ein Reisebegleiter, der   Ahmed heißt. Der erledigt alles, was mit dem Gepäck zusammenhängt, macht   den Bus sauber und schläft auch nachts im Bus. Sein Nebenverdienst   besteht im Wasserverkauf im Bus: 0,50 € für Wasser, 1 € für Sprudel. Er   nimmt also genau das Doppelte für das, was er im Supermarkt für das   Wasser bezahlt, aber das ist ok. Der Fahrer Ahmed braucht sich nur ums   Fahren zu kümmern. Ein marokkanischer Reiseleiter muss übrigens per   Regierungserlass in allen Reisebussen mitfahren, die mehr als 21   Personen transportieren. Wir sind zusammen 38 und haben in dem modernen   Bus genügend Platz. Die Gruppe ist gemischt: meistens Ältere und Paare.   Die verantwortliche Agentur heißt "Genesis" und regelt so ziemlich alles   hier in Marokko; auch RSD arbeitet mit ihr zusammen und schleust allein   im Jahre 2015 mehr als 40 000 deutsche Touristen durch Marokko. Alle paar Tage   machen sich jeweils 10 Busse gleichzeitig auf die Reise. Jetzt verstehen   wir natürlich auch die günstige Preiskalkulation.
     
Unser Reiseleiter Çaglar erzählt uns   zunächst einiges über das Land, über unsere Rundreise und wie er als   Türke zu dieser Reiseleitung gekommen ist. Da er schon seit 10   Wochen diese Rundtour macht, kennt er sich aus und erklärt uns, dass   es in diesem Frühling ungewöhnlich viel in Marokko geregnet hat,   dass viele Schlammlawinen hier in den Bergen heruntergekommen sind,   dass aber dafür auch alles schön grün ist und blüht.
 
Leider können wir von   der Aussichtsplattform des Restaurants keine schönen Fotos vom Tal   des Ourikaflusses machen, weil es so diesig ist; dennoch hat es   einen eigenartigen Reiz. Marokko haben wir uns jedenfalls nicht so   vorgestellt. Die Erde ist braunrot und die Berberhäuser haben   dieselbe Farbe. Ein solches Berberhaus besichtigen wir später in   einem kleinen Bergdorf.
 
Wir fühlen   uns ins Mittelalter zurückversetzt: Die Berberfamilien leben hier in   den Dörfern wie vor uralten Zeiten. Die Häuser aus Holz und Lehm   sind teilweise eng an die Berghänge geklebt. Hühner, Ziegen und Kühe   leben mit den Menschen unter einem Dach, ein Bach fließt am Haus   vorbei und bringt das notwendige Wasser.
Wir besichtigen die zweigeschossigen Gebäude, in denen in der   unteren Etage das Vieh wohnt und darüber die Familie mit drei   Generationen. Alles ist sehr primitiv, aber sinnvoll und praktisch   angeordnet. Draußen im Hof gibt es auch ein Hammam, also ein   Badehaus mit einem großen Ofen neben der Hütte, der für das   entsprechende Dampfbad sorgt.

Nach dem Rundgang schüttet die Großmutter im offenen Wohnbereich nach alter Art einen   grünen Tee mit Minze auf und unser Reiseleiter Çaglar erzählt uns   viele interessante Einzelheiten über die marokkanischen   Teegewohnheiten.
Um 16:00 Uhr sind wir   wieder in Marrakech und machen erst noch einen kleinen Einkaufsstopp   an einem Getränkeladen, um uns mit einigen Dosen Bier zu versorgen,   denn uns ist mitgeteilt worden, dass es in dem Hotel, das wir jetzt   für die Übernachtung anfahren, keinen Alkohol gibt. Für das Sixpack   Heineken bezahlen wir umgerechnet 12 Euro, also praktisch 2 Euro pro   Dose. Das ist verhältnismäßig viel. Das Hotel Ryad Mogador   Gueliz sieht gar nicht so schlecht aus, als wir ankommen. Wir werden   mit einem Tee zur Begrüßung empfangen und das Einchecken geht sehr   schnell, weil wir alle schon heute Mittag unsere Namen samt   Daten und Passnummern auf eine Liste geschrieben hatten, die unser   Reiseleiter jetzt vorlegt.
  
Alle sind sehr freundlich und   hilfsbereit. Am Pool gibt es große Handtücher und wir lassen die   Gelegenheit nicht aus, noch die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf   einer Liege am Pool zu genießen.
Das Hotel liegt an einer belebten   Straße gegenüber vom Bahnhof, ist schon etwas älter und die Möbel im   Zimmer sind ziemlich abgewohnt. Auf dem Schreibtisch mit dem alten   Röhrenfernseher befindet sich ein Aufkleber, der uns   unmissverständlich klar macht, wohin wir uns zu wenden haben, wenn wir beten   wollen.
  
Immerhin gibt es ein kostenloses WLAN in der Lobby und nach   einigen Versuchen gelingt es mir, eine Mail nach Hause zu senden.
Das   Abendessen wird in Form eines Büffets angeboten und ist mittelmäßig.   Die Suppe ist dünn und schlecht gewürzt, das Fleisch ziemlich   trocken, aber die Soßen sind ganz schmackhaft. Die Salate mit Gurken   und Tomaten rühren wir nicht an, weil wir wegen des Wassers doch   einige Sorgen haben.
Der große Speisesaal ist voll mit verschiedenen Gruppen und   dementsprechend laut. Wenn Sie mehr über das Hotel wissen oder Fotos   sehen wollen, dann schauen Sie sich doch meine Bewertung bei Holidaycheck oder im Tripadvisor an!

Mittwoch, 15.4. 2015
Wir   haben die Koffer früh gepackt, weil wir schon um 5:45 Uhr   aufgestanden sind. Wie bei allen solchen Rundreisen lässt einen der   Reiseleiter nicht lange schlafen, weil  die Busse um 7:30 Uhr   abfahren. Bis dahin muss das Frühstück erledigt und das Gepäck   bereits verladen sein.
Von Marrakech   nach Fes
Wir starten also mit 5 Bussen zum   Tagesziel Fes. Rund 500 km liegen vor uns, was eine Fahrt von   mindestens 9 Stunden erfordert. Zunächst geht es durch die   nördlichen Stadtteile von Marrakech, das inzwischen mehr als 1 Mio.   Einwohner hat. Die Straße verläuft durch die Ebene, wobei wir auf   der rechten Seite aber immer die Atlasberge sehen. Rundherum sind   fruchtbare Plantagen mit Oliven und Orangen, die jetzt reif sind und   in der Morgensonne leuchten.  Dazwischen liegen malerische   Berberdörfer - so schön grün haben wir uns Marokko gar nicht   vorgestellt.
Unseren ersten Milchkaffe - auf marokkanisch: "Nouss-nouss" - lernen   wir in einer Raststätte kennen und erfahren, dass es sich um einen   Café au lait handelt, der halb und halb mit Kaffee und Milch   aufgeschüttet wird. Inzwischen ist der Himmel wunderbar blau und in   der Sonne ist es angenehm warm.
Kurz vor 11 Uhr   sind wir in Beni-Mellal, einer Stadt mit 200 000 Einwohnern am Fuße   des Mittleren Atlas, die ein Zentrum dieses Landwirtschaftsgebietes   ist. Die Stadt bezieht ihr Wasser aus einer oberhalb gelegenen   Quelle und ist inzwischen ein wichtiger Handelsplatz geworden. Wir   fahren an der von Orangenbäumen gesäumten Straße entlang zu einem in   der Nähe gelegenen Park an einem Berghang. Çaglar erklärt uns, der   hieße "Kuhauge" auf Deutsch. Jedenfalls  ist der Jardin de Ain   Asserdoun ein sehr schönes Naherholungsgebiet mit einer aus dem Berg   entspringenden Quelle, deren Wasser in verschiedenen Kaskaden durch   den Park geleitet wird und später in Form von Kanälen die   Waschstraße  für die Frauen bildet, die ihre Wäsche darin   waschen. Von hier aus kann man auch die Festung Kasbah Ain Asserdoun   hoch oben auf dem Berg sehen, von der man einen tollen Blick auf die   Stadt Beni-Mellal hat.

Im Zentrum von Beni-Mellal machen   wir Mittagspause, wobei wir aber nicht mit der Gruppe zum   Mittagessen gehen, weil wir das Paket nicht gebucht haben. Der   Reiseleiter erklärt, dass es hier heute typisch marokkanische   Spezialitäten aus der Tajine gibt, dem Tontopf mit dem spitzen   Deckel, den man überall auf den Märkten kaufen kann. Unzählige   Eintöpfe mit Gemüse, Fleisch, Pflaumen und Mandeln kennt die   marokkanische Küche dazu. Wir wollen aber bewusst auf das   Mittagessen verzichten, weil es schließlich jeden Abend ein Büffet   gibt. Stattdessen setzen wir uns in ein Café, wo es einen richtigen   Cappuccino gibt (nicht mal teuer für 1,40 €), zu dem wir unseren   Keks aus dem Flugzeug verspeisen. Es ist richtig entspannend, hier   mittags in einem Straßencafé zu sitzen und den Leuten zuzuschauen.   Im Café sitzen natürlich nur Männer - Frauen haben hier nichts zu   suchen. Wenn wirklich einmal Frauen zu sehen sind, dann sind es   Touristinnen. Ein Schuhputzer wienert mir unterdessen meine   staubigen Schuhe. Als ich ihn frage, was der Spaß kostet, antwortet   er: "Comme vous voulez." und erhält dafür von mir 50 Cents.  Er   ist zufrieden und zieht zum Nachbartisch weiter, wo ihm ein   Marokkaner mit Zigarre und einem schwarzen Kaffee vor sich die Beine   entgegen streckt. Es fällt auf, dass hier noch überall viel geraucht   wird, was wir von unseren Restaurants in Deutschland gar nicht mehr kennen. Auch in   den Hotelzimmern stehen übrigens immer Aschenbecher. Für Raucher ist   also Marokko ein günstiges Urlaubsland - das betrifft auch die   Preise für Zigaretten.Auf   der Weiterfahrt in Richtung Khenifra erklärt Çaglar, warum die   Frauen im Islam verschleiert sind und dass sie bei den Berbern hoch   geschätzt werden. Wir wundern uns in der Tat, dass wir in Marokko so   wenige verschleierte Frauen sehen, was wahrscheinlich durch den   französischen Einfluss des Protektorats bedingt ist - sicherlich   aber auch durch die politische Führung vom König Mohammed VI, der   ziemlich liberal damit umgeht.
Riesige Schafherden  beobachten wir jetzt links und rechts   neben der Landstraße, die immer schlechter wird und sich langsam in   die Berge hoch windet. Viele Schlaglöcher und Kurven zwingen unseren   Fahrer zum langsamen Fahren.

Die Olivenhaine verschwinden langsam   und stattdessen erscheinen links und rechts von der Straße große   Wiesen  mit blühendem roten Klatschmohn und gelben   Wiesendotterblumen. Die saftig grüne Landschaft sieht mit den   braun-roten Sandsteinfelsen und den Häusern aus gelbem Lehm   malerisch aus. Durch den Regen sind sogar die ausgetrockneten   Flussbetten mit grünen Gräsern und blühenden Kräutern    bewachsen. Es ist toll: Wir sind froh, dass wir den April für unsere   Marokkoreise gewählt haben und können nur jedem empfehlen, den   Frühling für eine solche Rundfahrt zu wählen.
Sammeltaxis auf dem Land: Sie nehmen alles mit: Menschen, Vieh, Möbel und Lebensmittel.
Es wird immer ländlicher: In den Orten   füllen sich die Sammeltaxis mit Leuten, die auf den Märkten   eingekauft haben und man erkennt, dass alle hier von der   Landwirtschaft leben. An den Berghängen und auf den Hügeln wachsen   Saubohnen und Oliven.

Markt auf dem Lande

Die Frauen waschen die Teppiche und Decken am Fluss
Um 15:30 Uhr machen wir hinter Khenifra eine Pause an einem   Mineralienshop. Ich überlege, ob ich mir nicht doch eine Druse mit   Amethysten im Innern als Souvenir mitnehmen soll. Sie sind hier   recht preiswert. Ich lasse es aber, weil ich mir denke, dass heute   der erste Tag der Marokko-Rundfahrt ist und Çaglar gesagt hat, dass   man die besten Souvenirs in Essaouira kaufen kann.  Das werde   ich später noch bereuen, denn so schöne und preiswerte Steine habe   ich nie mehr gesehen!
Kurz nach 17:00 Uhr kommen wir in Ifrane an, das ist ein ziemlich bekannter Wintersportort in Marokko.   Wegen der schönen Lage auf 1600 m Höhe und wegen des günstigen   Klimas haben sich viele begüterte Marokkaner hier Ferienhäuser   gebaut oder Ferienwohnungen gemietet.
Eigentlich ist das ein seltsamer Ort: Mit unserem Bus finden wir   kaum einen Parkplatz, weil zwanzig andere Busse verschiedener   Reisegesellschaften mit Touristen aus unterschiedlichen Ländern auch   gerade um diese Zeit hier sind. Dabei ist hier kaum etwas zu sehen:   Die Wintersportsaison ist zu Ende und die meisten Ferienwohnungen   sind leer. Der Ort ist gepflegt, aber nur wenige Geschäfte haben in   der derzeitigen Wetterlage bei 11°C in dieser Höhe geöffnet.
Wir sind begeistert von den schönen Postkarten, die im Souvenirshop   angeboten werden, aber Briefmarken gibt es natürlich nirgendwo. Die   Post hat schon geschlossen, weil es nach 17:00 Uhr ist. So ist   eigentlich der gesamte Zwischenstopp hier überflüssig. Das ärgert   uns irgendwie.
Um 17:45 Uhr   geht es weiter nach Fes - das sind noch 63 km, die der Fahrer dann   über die Autobahn fährt. Wie in Frankreich kosten die Autobahnen   Maut, aber es herrscht weniger Verkehr, sodass man schneller voran   kommt.
Als wir in der ehemaligen Hauptstadt ankommen, merken wir schnell,   dass es in einer  Millionenstadt nicht so schnell   vorangeht wie auf dem Land. Staus wie in jeder Großstadt bei uns   sind auch hier die Regel  - und daran müssen wir uns jetzt    gewöhnen. Um 19:00 Uhr erreichen wir endlich das Hotel Volubilis, wo wir übernachten sollen. Es liegt verkehrsgünstig an einem großen Boulevard mit einem breiten Mittelstreifen, auf dem viel Polizei und Militär patroulliert.
Alles ist heute ein bisschen viel: Nach der 11 1/2 Stunden-Tour ist das Abendessen um 19:30 Uhr angesetzt, weil am Abend noch eine "Lichterfahrt" durch Fes stattfinden soll. So müssen wir uns sehr beeilen. Das Büffet ist besser als gestern, obwohl die Getränke sündhaft teuer sind. Für 3 Bier und eine große Flasche Wasser bezahlen wir 19 €!   Falls Sie sich für das Hotel interessieren, schauen Sie sich doch meine Bewertung bei Holidaycheck oder im Tripadvisor an.

Die Fahrt durch das nächtliche Fes bringt nicht viel. Es ist eine Großstadt wie jede andere; lediglich der beleuchtete Königspalast ist schön anzuschauen. Wir gehen ein Stück durch die Mellah (das Judenviertel) in Richtung auf die Altstadt zu, aber auf den Straßen ist nicht viel los.
Sämtliche Jugendlichen sitzen vor den Fernsehapparaten in den Cafés und schauen sich das Fußballspiel zwischen St. Germain und Barcelona an. Der Blick vom Hügel auf die Altstadt ist ebenfalls wenig spektakulär, da diese zu wenig beleuchtet ist.
Donnerstag, 16.4.   2015

Stadtrundfahrt in Fes
Heute steht eine Stadtrundfahrt mit   dem einheimischen Führer Abdullah auf dem Programm. Schon um 8:00   Uhr geht es los. Der Platz vor dem Königspalast ist jetzt nicht mehr so leer wie gestern Abend. Überall stehen Gruppen von Touristen und lauschen den Erklärungen ihrer Führer.
Abdullah ist ein witziger Führer, der uns auch erklärt, was er unter seiner Djellabah trägt. Seine kurzweilige Führung durch Fes macht uns großen Spaß.


Es ist noch früh am Morgen, daher sind   die meisten Geschäfte im Judenviertel noch geschlossen, durch das   wir anschließend spazieren. Aber die Fassaden sind sehr schön   erhalten. Kein Wunder, dass die Altstadt von Fes zum UNESCO -   Weltkulturerbe ernannt worden ist.
 
Wenn man den Turm von der Stadtmauer   im Hintergrund vergrößert, kann man die Störche erkennen, die hier   überall nisten und überwintern. Sie sind nicht nur auf dem Lande in den Bäumen, sondern auch auf den Zinnen der Häuser zu finden.
Da die Störche ihre Exkremente auf den   Telefonmasten hinterlassen, machen die Marokkaner sie für die   "beschissenen Verbindungen" verantwortlich.
Auch in der Medina sind die meisten Läden noch geschlossen, sodass wir durch den Haremsgarten spazieren   und am Tor zur Medina wieder in Bus steigen.

Die Mauer um die Altstadt von Fes ist 7 Kilometer lang. Man sagt, dass es sich um die weltweit größte mittelalterliche Stadt handelt, die noch vorhanden ist. Sie umfasst eine Fläche von fast 3 km² und beherbergt mehr als 70 000 Geschäfte und Handwerksbetriebe.

Nach einer Rundfahrt durch die Neustadt fahren  wir gegen Mittag wieder zur Medina zurück, weil jetzt der Geschäftsbetrieb in vollem Gange ist. Wir betreten die Altstadt durch das Blaue Tor (Bab Bou Jeloud) und sind gleich völlig gefangen von der eigenartigen Atmosphäre, die durch die engen Gassen, die emsigen Händler, die fremdartigen Gerüche und das orientalische Stimmengewirr hervorgerufen wird. Hier  einige Fotos:
Wir beginnen unseren Rundgang im   Gemüsemarkt, gehen durch die Schleifereien, die Kaftanstraße und die   Kupfergasse. Manche Gässchen sind eng und dunkel, andere voll von   verfallenen Gebäuden, die mit Hilfe von UNESCO - Geldern aufwändig   restauriert werden.
Das Fotografieren sind die meisten   Händler gewohnt, andere reagieren aber ärgerlich und viele alte   Frauen halten schnell einen mitgeführten Pappkarton oder einen Schal   vor ihr Gesicht. Die Straßenschilder in den engen Gassen sind schwer zu erkennen und nur zu verstehen, wenn man Arabisch oder Französisch spricht. Manche Gassen sind Einbahnstraßen für Esel und haben auch ein Schild   dafür.
Es ist viel Polizei unterwegs, aber wir fühlen uns   nach einiger Zeit doch recht sicher und halten unsere Taschen nicht   mehr krampfhaft fest, obwohl Körperkontakte wegen der Enge   unvermeidbar sind. Für einen   Bakschisch macht der Wärter am Eingang der Moschee gern ein paar   Fotos vom Innern, sodass wir einen Eindruck von der prächtigen   Ausstattung bekommen. Auch hinter einigen unscheinbaren Fassaden   eröffnen sich schöne Durchblicke auf die Innenhöfe.

Blick in eine Moschee
Die Moscheen dürfen nur von Moslems betreten werden und man hat Glück, wenn man mit der Kamera einen Blick hineinwerfen kann. Für ein Bakschisch macht der Wächter am Eingang aber auch ein Foto vom Innern, sodass wir einen Eindruck von der prächtigen Ausstattung bekommen. Auch hinter einigen unscheinbaren Fassaden eröffnen sich schöne Durchblicke auf die Innenhöfe.
Im Laufe des Tages füllen sich die Gassen immer  mehr. Es bahnen sich beladene Esel, emsige Verkäufer und Müllmänner mit ihren  Eseln den Weg durch die lahmen Touristen, die sich an die Wände drücken müssen.  Sehr oft hört man die Rufe "Balak,   balak!" oder "Attention", aber die Touristen reagieren nur selten.  
Ohne Führer würden wir uns glatt   verlaufen in dem endlosen Gewirr von Gassen. Am Place Seffarine arbeiten lautstark die Kupferschmiede.
Den Schluss unseres   Rundgangs bildet ein Besuch in einer Weberei, die viele schöne   Stoffe aus Agavenseide anbietet. Wir kaufen zwar nichts, aber es ist   eine willkommene Sitzpause.
Anschließend  fahren wir hoch zum Hotel Medinet, von dem man   einen guten Blick über die Altstadt hat:

Nach dem Mittagessen im Hotel Royal   Zalagh Park Hotel scheint die Sonne und es wird warm.
Von Fes nach Meknes
Gegen 14:00   Uhr starten wir in Richtung Meknès. Unser Fahrer Ahmed wählt statt   der Autobahn die landschaftlich schönere Strecke N4 nach Moulay   Idriss.
Die Fahrt geht durch weite grüne Felder voller Getreide,  Saubohnen und Oliven. Wir können kaum glauben, dass dies Marokko ist, das man immer für so trocken hält. Aber es ist schon zur Zeit der Römer ein ertragreiches Ackerbaugebiet gewesen. Damals hieß es noch Mauretanien. Hier auf dem Lande ist alles beschaulich: Die Bauern reiten auf Ihrem Esel nach Hause und der Tankstellenbesitzer döst in der warmen Nachmittagssonne. Viele Schafherden weiden in den grünen Flusstälern, Autos begegnen uns kaum auf der Landstraße.
Wegen der guten Regenfälle im Frühjahr hoffen die Bauern in diesem Jahr auf drei Ernten. Die Erde muss sehr fruchtbar sein; sie ist nicht mehr rotbraun und lehmig wie bei den Berbern am Atlasgebirge, sondern schimmert schwarz auf den Feldwegen. Sogar viele Weingärten fallen uns jetzt auf.
Um 15:00 Uhr sind wir in Volubilis, bei den Ruinen einer alten römischen Stadt, die früher einmal ein bedeutendes Handelszentrum im damaligen Mauretanien war.
Heute ist nicht mehr viel von der Stadt zu sehen, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Aber früher war die Ausdehnung schon gewaltig, denn mehr als 10 000 Menschen wohnten im 3. Jahrhundert n. Chr. hier. Sie lebten vorrangig vom Getreideanbau und dem Öl, das sie aus den Oliven pressten. Die Archäologen haben Ölmühlen hier entdeckt und wir besichtigen auch unter Anleitung des einheimischen Führers Hammit die Ausgrabungsstätten. Besonders das Haus eines ehemaligen Ölmillionärs hat es ihm angetan, denn er erklärt uns sehr ausführlich und in gutem Deutsch die Besonderheiten der großen Villa, die dieser damals bewohnte und dessen Rest und Mosaikböden auch bis heute noch erhalten sind.
Allerdings ist alles erst zu einem Viertel ausgegraben und bisher noch kein Theater gefunden worden worden, das immer zu einer solchen Stadt gehört hat. Wir klettern mit Hammit über die überwucherten Mauerreste. Gut zu erkennen sind die Stadttore, die Hauptstraßenzüge und die reich mit Mosaiken ausgestatteten Villen. Hier einige Fotos davon:
Um 17:00 Uhr fahren wir weiter nach   Meknès. Die alte Königstadt hat drei Umgebungsmauern und wurde von Moulay Ismail im 17. Jahrhundert gegründet, der Fes nicht mehr als   Hauptstadt wollte, weil es ihm zu leicht angreifbar von den   Berberstämmen und Portugiesen schien.

Das Tor Bab el Khemis in Meknès
Er baute die Stadt auf einem Hügel und   an den Hängen des Flusses Bou Sekrane neu auf und sicherte sie mit   dicken Mauern aus gestampftem Lehm. Außerdem baute er sich eine   gigantische Palastanlage dazu. Später kam die   Neustadt auf der anderen Seite des Flusses hinzu, sodass die heutige   Stadt mit 600 000 Einwohnern zweigeteilt ist.
Beeindruckend sind die Stadttore und   die Befestigungsmauern. Unser Bus passt gerade durch ein solches   Tor.  Während unserer Rundfahrt erzählt Çaglar schaurige Geschichten von Moulay Ismail, der zu den brutalen Herrschern gezählt wird. Er hatte einen Harem von 500 Frauen und viele Schwarzafrikaner in seiner 100 000 Mann starken Armee. Er hat 55 Jahre  regiert und als großer Sultan mit seiner Herrschaft das Land geprägt. Allerdings ist kurz nach seinem Tod wieder Fes die Hauptstadt von Marokko geworden.
Die Palastanlage   wurde durch das Erdbeben von 1755 zerstört, aber sein Mausoleum ist   noch erhalten, weil es später durch den König Mohammed V restauriert   wurde. Da es Bestandteil der Altstadt ist, gehört es ebenfalls zum   UNESCO Weltkulturerbe.
Das Mausoleum darf auch von Nicht-Moslems betreten werden, deshalb   statten wir ihm einen Besuch ab. Auf dem  Foto ist das   fantastische Portal zu sehen.

Der Sarkophag von Moulay Ismail wird von zwei   Standuhren flankiert, die ein Geschenk des Sonnenkönigs Ludwig XIV.   sind.
Ausgangspunkt für unseren Gang durch   die Altstadt ist das Tor Bab Mansour, das auch noch aus der Zeit von   Moulay Ismail stammt, aber nicht mehr von ihm vollendet wurde.

Es   hat die typischen Hufeisenbögen und viele Steinmosaiken als   Verzierung. Die Marmorsäulen wurden wahrscheinlich aus Volubilis   hierher gebracht.
Sofort dahinter ist der Platz El Hedim, auf dem viel los ist. Im Hintergrund des nächsten Fotos sieht man das Tor Bab Mansour und daneben noch ein weiteres, das später gebaut wurde.
    
Jetzt kurz vor Sonnenuntergang ist   viel Betrieb hier, weil die Händler ihre Stände auf dem Platz   aufbauen. Weil man durch Bilder allein die   Atmosphäre nicht erleben kann, füge ich hier zwei kurze Videos ein. Von allen Seiten erklingt nämlich fremdartige Musik und seltsame Geräusche sind zu vernehmen.
Auf der einen Seite des Platzes sind viele Garküchen und in der   Mitte sammeln sich die Leute um die Gaukler, Zauberer,   Schlangenbeschwörer und Märchenerzähler. Besonders für Kinder werden   viele Spiele angeboten. Die Händler verkaufen Schuhe, Seife und allerlei Zeugs, was nicht in den Souks angeboten wird. Viele marokkanische Familien vom Land   kommen auch hierher, um einzukaufen und mit den Kindern einen   Erlebnistag zu verbringen. Dabei sind natürlich der Schlangenbeschwörer und viele exotische Tiere eine besondere Attraktion. Viele lassen sich mit einer Schlange um den Hals fotografieren und die Kinder dürfen die Tiere anfassen.
Erst um 19:15 Uhr kommen wir im Hotel   Transatlantique auf dem Hügel an, wo wir heute übernachten. Leider   wird es  wieder eine Hetze zum Abendessen, weil wir   feststellen, dass der Speisesaal jetzt schon ziemlich voll ist und   die Geräuschkulisse entsprechend hoch ist. Die Getränke sind teuer,   nur die 0,2 l Flasche "Speciale" Bier ist mit 25 MAD preiswert (=   2,50 €). Für ein Heineken Bier bezahlen wir 6 €. Das Büffet ist   mäßig. Ärgerlich ist wieder, dass überall Raucher sitzen, die alles   voll qualmen: in der Bar, in der Lobby und auf der Terrasse. Auch   unser Zimmer ist kein Nichtraucherzimmer; es ist klein, abgewohnt   und muffig. Allerdings ist der Garten mit dem Pool gepflegt und man   hat einen schönen Blick auf die Stadt. Immerhin zeigt der 37"   Flach-TV 20 Programme und das ZDF - und auch das kostenlose WLAN   funktioniert in der Lobby. Wenn Sie mehr über das Hotel erfahren und   Fotos sehen wollen, schauen Sie sich doch meine Bewertung bei Holidaycheck oder im Tripadvisor an.

Freitag,   17.4. 2015
Gott sei dank ist der   Abfahrtstermin heute für 9:00 Uhr festgelegt worden, sodass wir in   Ruhe frühstücken können. Das Frühstücksbüffet ist mäßig, auch hier   wird wieder altes Brot von gestern mit frischem Baguette vermischt.   Der Kaffee ist dünn und lauwarm, der Schafskäse ist geschmacklos und   Wurst gibt es nicht. Obst auch nicht. Die Kellner haben keine gute   Laune und der Service ist schlecht.
Dafür ist das Wetter wunderschön und die Sonne lacht vom wolkenlos   blauen Himmel. Allerdings ist es bei 14°C noch ziemlich frisch an   diesem Morgen.
Am Vormittag erwartet uns die erste Veranstaltung, auf die wir schon gewartet hatten. Wenn man nämlich eine solche Rundtour bucht, muss man wie in der Türkei damit rechnen, dass man durch eine Teppichwerkstatt, einen Schmuckladen und eine Lederfabrikation geschleust wird. Wer so etwas noch nie gesehen hat, für den ist es sicher höchst interessant. Wer es schon einmal erlebt hat, muss die eineinhalb - oder zweistündige Tour halt über sich ergehen lassen.
So war das auch an diesem Morgen: Unsere Fahrt geht zunächst zur Meknès Carpet Teppichfirma. Wir schauen in der zweistündigen Vorführung den Teppichknüpferinnen zu und stellen fest, dass die Knüpftechnik mit dem Doppelknoten ähnlich ist wie bei den orientalischen Mustern. Positiv empfinden wir, dass die Verkäufer bei weitem nicht so aggressiv sind wie in der Türkei. Natürlich wollen alle etwas verkaufen; wenn es nicht gerade ein Teppich ist, dann doch ein Souvenir.
Wir können uns in Ruhe die Kollektion anschauen und werden auch nicht belästigt, als wir den Vorführraum verlassen wollen.
Um halb zwölf soll es weiter gehen nach Rabat. Aber Çaglar disponiert um und vereinbart ein Mittagessen in Meknès in einem Restaurant. Da wir wieder auf das Mittagessen verzichten, sonnen wir uns im Garten des Restaurants bei einem Cappuccino. Allerdings stellen wir auch hier wieder fest, wie die Touristen ausgenommen werden: Für 3 Cappuccinos und 2 Espressos bezahlen wir 21 Euro!
Von Meknes nach Rabat
Um 13:00 Uhr sind wir dann wieder auf der Autobahn und staunen ein zweites Mal über die wunderschöne Landschaft: Zu den leuchtend roten Klatschmohnfelder auf den grünen Hügeln kommen jetzt auch gelbe Butterblumen und riesige Lavendelfelder. Schade, dass man diese Farbenpracht mit der braunen Erde dazwischen und dem blauen Himmel darüber nicht aus dem fahrenden Bus einfangen kann.
Kurz vor Rabat kommt noch ein Korkeichenwald hinzu mit Bauern, die an der Straße stehen und Trüffel verkaufen.
Rabat haben wir uns gar nicht so hügelig vorgestellt. Es ist die derzeitige Hauptstadt von Marokko mit mehr als 700000 Einwohnern, modern ausgebauten Straßen und einer Straßenbahn. Allerdings ist die nicht weit entfernte Schwesterstadt Salé ebenso groß, sodass sich hier ein Ballungsgebiet mit mehr als 2 Mill. Menschen entwickelt hat. Zuerst besuchen wir das Mausoleum von Mohammed V., das dem Taj Mahal nachempfunden ist.
 
Die Wachen am Mausoleum sehen malerisch aus.  Sie sind sehr verständnisvoll für Fotos und lächeln auch, wenn man das fürs Foto wünscht.

Die Anlage aus weißem Marmor ist sehr prunkvoll gestaltet und wurde von König Hassan II. im Andenken seines Vaters Mohammed V. erbaut.  Auf dem Platz davor befand sich die Große Moschee, die 1191 begonnen wurde.
Der Hassan-Turm ist das Wahrzeichen von Rabat. Der 44 Meter hohe Turm ist das unvollendete Minarett einer Moschee aus dem 12. Jhdt.
Die Stümpfe stellen die Reste der 312 Säulen von der Moschee dar, die im Erdbeben von 1755 zerstört wurde. Ein Teil der Mauer aus Stampflehm ist ebenfalls noch erhalten. Der Innenraum des Mausoleums kann besichtigt werden. Wir spazieren oben auf der Galerie entlang und   schauen unten auf den abgesenkten Sarkophag aus weißem Marmor von Mohammed V. Am oberen Ende befinden sich noch zwei kleinere Sarkophage, die aber leer sind. Sie sind lediglich Im Gedenken an Hassan II. dort aufgestellt worden, der 1999 gestorben ist. Der andere ist sicherlich für Mohammed VI. bestimmt, der zur Zeit König von Marokko ist.
Der Innenraum des Mausoleums kann besichtigt werden. Wir spazieren oben auf der Galerie entlang und  schauen unten auf den abgesenkten Sarkophag aus weißem Marmor von Mohammed V.

Am oberen Ende befinden sich noch zwei kleinere Sarkophage, die aber leer sind. Sie sind lediglich Im Gedenken an Hassan II. dort aufgestellt worden, der 1999 gestorben ist. Der andere ist sicherlich für Mohammed VI. bestimmt, der zur Zeit König von Marokko ist.
Anschließend machen wir eine Rundfahrt   durch die Stadt. Auch hier ist die Altstadt wieder durch eine knapp   6 km lange Stadtmauer begrenzt, deren Tore allerdings nicht so schön   sind wie in Fes.

Der Königsplast ist leider aus unbekannten Gründen heute für eine   Besichtigung nicht freigegeben, sodass wir nur ein paar Fotos von   außen machen können:
 
Von Rabat nach Casablanca
Kurz vor 16:00 Uhr fahren wir weiter   nach Casablanca. Es dauert aber mehr als zwei Stunden, bis   wir über die Küstenstraße, die Autobahn und den dichten Verkehr in   der 5 Millionenstadt das Hotel Suisse erreicht haben.
 
Es liegt im   Stadtteil Anfa auf dem Boulevard de l´Ocean Atlantique, der eine   Verlängerung des berühmten Boulevard de la Corniche ist.

Der lange Strandboulevard, der   parallel zur Küste am Strand entlang verläuft, beherbergt einige   schöne Hotels, Villen und Restaurants. Das Hotel Suisse, in dem wir   wohnen, ist jedoch schon etwas heruntergekommen und hat bessere Tage   gesehen. Das Zimmer 207, das wir bekommen, ist das schlechteste von   der ganzen Rundreise, weil schon der Putz von den Wänden fällt und   einige Dinge im Zimmer kaputt sind. Lesen Sie dazu meine Hotelbewertung bei Holidaycheck und im Tripadvisor. Außerdem ist es ziemlich laut auf der belebten   Verkehrskreuzung. Dafür liegt es aber ziemlich nah am Meer.
Das einzige Highlight im Hotel ist der schöne Innenhof, in dem man geruhsam und gepflegt bei gutem Service speisen konnte.
Nach unserer Ankunft machen wir zuerst einen Spaziergang zum Strand, den man schnell erreichen kann, wenn man über die Kreuzung die kleine Straße hinunter geht. Noch ist die Sonne nicht untergegangen und einige Badegäste genießen die letzten Sonnenstrahlen.
     
Einladend ist der Strand nicht gerade. Der Sand ist schmutzig, mit vielen Steinen belegt und dahinter sind Wiesen, auf denen die Leute campieren.
Da gerade Ebbe ist, spielen viele Jungen und Männer auf dem breiten Sandstreifen, der nun frei geworden ist, Fußball. Andere reiten mit Eseln und Pferden darüber. Die Restaurants am Boulevard de la Corniche sind ziemlich voll und alle genießen den Freitagabend.

Samstag, 18.4. 2015
Wir stehen früh auf und sitzen kurz nach 7 beim Frühstück, das wider Erwarten ganz ordentlich ist. Es gibt sogar Obst in Form von Orangen- und Grapefruitscheiben. Auch der Kaffe aus der Maschine ist in Ordnung.
Stadtrundfahrt in Casablanca
Um 8:30 Uhr fahren wir los zur Besichtigung von Casablanca, Es ist noch sehr ruhig auf den Straßen und an der Moschee Hassan II. ist die Kasse noch geschlossen. Die Moschee ist die fünftgrößte der Welt, weil sie 25 000 Menschen Platz bieten kann. Sie ist aber bei weitem nicht so prunkvoll  wie viele orientalische Moscheen aus neuerer Zeit. Danach sind wir die erste Besuchergruppe. Hier einige Eindrücke von unserem Besuch:
Um 10:35 Uhr machen wir eine Stadtrundfahrt mit dem Bus und fahren erst einmal zum Platz Mohammed V., wo viele Tauben und Wasserverkäufer sind. Casablanca ist eine moderne Großstadt   mit breiten Straßen, Straßenbahnen und Hochhäusern, sie ist nicht vergleichbar mit den Königsstädten und hat auch nicht deren Flair.
Glücklicherweise ist nicht so viel los am Samstagmorgen. Aber Staus gibt es schon - allein wegen der vielen Ampeln. inzwischen ist die Sonne herausgekommen und es ist warm geworden. Erstaunlicherweise ist nicht so viel Polizei unterwegs wie in den anderen Städten. Wir halten zu einem Fotostopp an der Kirche Notre Dame de Lourdes, die sehr schöne Fenster im Innern hat und außen an der Seite eine Grotte, die der Höhle in Lourdes nachgebaut wurde.
Danach spazieren wir durch das Quartier Habous, das ist die neue Medina, die in den 30er Jahren entstanden ist und pittoreske Hausfassaden hat. Es geht an den Arkaden mit den Djellaba-Verkäufern vorbei bis zum Olivenmarkt, der wirklich einmalig ist. Eingelegte Oliven, Früchte und Gemüsesorten bilden ein farbenfrohes Angebot. Alles sieht sehr appetitlich aus.
Hier einige Fotos davon:
Der nächste Halt  ist am Marché Central, wo wir durch die Hallen mit Fisch  und Gemüse spazieren. Preise stehen nirgendwo dran, sondern man muss handeln. Einige aus unserem Bus lassen sich die Austern am Stand öffnen und schlürfen sie direkt. Alles ist sehr lebendig hier; viele einfache Schnellrestaurants laden zu frischen Fischgerichten ein. Die Teller der Gäste werden üppig gefüllt.
Danach machen wir eine Mittagpause am Platz der Nationen. Hier ist viel los und wir suchen einen Platz in der Sonne in einem Café, weil es ziemlich windig ist und im Schatten sehr kühl.
Von Casablanca nach   Marrakech
Um 13:15 Uhr starten   wir zur letzten Tagesetappe nach Marrakech. Es dauert   aber noch mehr als viereinhalb Stunden, bis wir die 250 km über die Autobahn   mit einer Pause hinter uns gebracht haben. Die nächsten   Nächte verbringen wir im  Hotel Club Sangho, das mit einer   großen Poolanlage in einem Außenbezirk der Stadt liegt.
Der Empfang in dem Hotel ist etwas   anders als bisher, weil hier gar kein Kofferservice existiert. Wir   müssen mit unseren Koffern erst einmal einen langen Weg über das   große Hotelgelände rollen, der mit Kieselsteinen gepflastert ist.

Für Behinderte oder Leute, die nicht gut zu Fuß sind, ist dieses Hotel gar nichts. Es gibt auch keinen Fahrstuhl, um in die oberen Etagen der weit verzweigten Gebäude zu gelangen. Aber alles ist nach marokkanischen Maßstäben gut gepflegt und als 4-Sterne-Hotel auch das beste Hotel auf dieser Rundreise. Die Zimmer sind zwar primitiv eingerichtet, aber geräumig. Alles ist ziemlich abgenutzt und die Beleuchtung wird mit nackten Energiesparlampen gewährleistet.

Sehr schön ist allerdings die   Pool-Landschaft, die das Zentrum der kreisförmig angelegten   Hotelanlage bildet. Diese animiert uns sofort bei unserer Ankunft um   18:00 Uhr, noch die letzten Sonnenstrahlen vor dem Abendessen   auszunutzen. Also legen wir uns noch eine Stunde auf die Liege und   erholen uns von dem anstrengenden Tag, bis wir um 20:00 Uhr zum   Abendessen in den riesigen Speisesaal gehen. Verwundert schauen wir   auf die Animateure, die uns in kurzen Hosen am Eingang begrüßen.   Aber das Büffet ist ganz ordentlich (Suppe, Fisch, Rindfleisch, Huhn   und viele Salate), obwohl alles sehr schmuddelig erscheint. Die   Kellner sind bemüht, uns an einen bestimmten Tisch zu lotsen. Viele   Speisreste liegen auf dem Boden; es wird viel verschüttet.   Vielleicht liegt es aber auch daran, dass   jetzt Wochenende ist und viele marokkanische Familien mit ihren   Kindern hier einen Kurzurlaub machen. Meine Bewertung für dieses   Hotel habe ich bei Holidaycheck und im Tripadvisor veröffentlicht. Wenn es Sie interessiert, können Sie   dort mehr Details erfahren und verschiedene Fotos dazu sehen.
Sonntag, 19.4. 2015

Das Frühstück im Hotel ist mäßig - die   Gänge zwischen den Tischen sind noch von gestern verschmutzt: Man   muss aufpassen, wohin man tritt. Ärgerlich ist, dass wieder viel   altes Brot unter das frische Baguette gemischt wurde. So erwischt   man ab und zu eben ein trockenes Stück.
Besichtigung von Marrakech
Heute müssen wir erst einmal den   zweiten Teil der typischen Besichtigungstour absolvieren: einen   Besuch in einer Schmuckstein-Werkstatt. Bei Saphir-Jewels wird uns   zunächst eine Einführung in die Edelstein-Schleiferei gegeben,   danach werden wir in die Verkaufsräume gelotst. Wir führen mit dem   Juniorchef ein langes Verkaufsgespräch, kommen aber nicht zu einem   Abschluss über einen Tansanit- und einen Sultanit-Stein, die   zusammen 2500 Euro kosten sollen. Zum Schluss endet das Angbot bei   800 Euro, aber der Chef verlässt uns, als er merkt, dass wir zu   wenig Interesse zeigen. Der Verkäufer selbst hat keine Möglichkeit   zu einem weiteren Preisnachlass.
Um 11:20 Uhr geht es weiter, wobei 4 Gäste im Verkaufsraum bleiben (   anscheinend gibt es doch hartnäckige Käufer).
Der nächste Halt ist bei Marrakech   Leather, wo doch einige aus unserer Gruppe nach einer Modenschau   eine schicke Lederjacke oder eine Tasche entdecken, die sie   schließlich auch kaufen. Um 12:30 Uhr fahren wir weiter, obwohl zwei   Gäste noch im Schmuckladen sind.
Wir sind froh, dass wir die Verkaufs-Shows hinter uns haben und   jetzt das echte Marrakech kennenlernen. Es ist die drittgrößte Stadt   Marokkos, aber durch die schönen Paläste und die Häuser, die nicht   höher als 5 Stockwerke gebaut werden dürfen, sehr attraktiv.
Ausgangspunkt unserer   Stadtbesichtigung ist das berühmte Tor Bab Agnaou. Es ist der   Eingang zum Judenviertel mit faszinierenden Souks der Handwerker und   Händler.

Einige von unserer Gruppe machen vorher noch eine   Kutschfahrt, aber treffen dann doch pünktlich am Bab Agnaou ein.   Das ist der Eingang zur Medina, wobei wir erst einmal durchs   Judenviertel spazieren. Hier einige Eindrücke davon:
Einen realistischeren Eindruck bekommt   man natürlich, wenn man nicht nur Fotos sieht, sondern Bewegungen   und Geräusche miterlebt. Deshalb hier noch ein kleines Video dazu.
Der Spaziergang durchs Judenviertel   gefällt uns sehr, zumal Mohammed, unser zwangsweise im Bus   mitfahrender marokkanischer Reiseleiter, aus Marrakesch stammt und   uns prima alle Einzelheiten der Altstadt und der Bewohner erklären   kann. Jetzt, wo wir mit ihm ins Gespräch kommen, stellen wir fest,   dass er sogar etwas Deutsch kann. In ein paar Jahren wird er sicher die   deutschen Reisegruppen allein begleiten können.
Wir verzichten wieder auf das Mittagessen, das in einer kleinen   Nebenstraße in einem Restaurant eingenommen wird. Stattdessen setzen wir uns an   einer Straßenecke in ein Café und machen "People watching". Es ist   interessant, die Händler und die vorbeilaufenden Kunden zu   beobachten. Man müsste eigentlich viel mehr Muße und Zeit für solche   Pausen haben.
Marrakech ist eine schöne Stadt, weil die Häuser nur 5 Stockwerke haben dürfen. Das vermittelt nicht den Charakter einer Großstadt, obwohl heute hier 1,5 Mio. Menschen leben. Es ist eine alte Berberstadt, die durch viele schöne Gebäude attraktiv ist und deren Altstadt UNESCO-Weltkulturerbe ist.
Wenn man die Häuser von außen sieht, kann man sich gar nicht   vorstellen, dass manchmal im Innern sehr schön gestaltete Innenhöfe   mit Brunnen und vielen grünen Bäumen und blühenden Blumen vorhanden   sind.
Wir besuchen anschließend mit einem einheimischen Führer den   Palais Bahia, ein Herrenhaus - oder vielmehr einen Palast, den sich   der Großwesir Si Moussa im späten 19. Jahrhundert bauen ließ.
 
Ich habe im Palast   viele Fotos und auch Videos gedreht, aber die sind bei weitem nicht   so schön wie der Film vom   Palais Bahia, den Carmen Milu gedreht hat. Er vermittelt ein   wunderbares Bild  von den luxuriösen Wohnräumen mit den   Mosaikfliesen und kostbaren Zedernholzdecken.

Danach wandern wir durch die Souks und besuchen eine Kräuterapotheke, die sich allerdings als Verkaufsveranstaltung für marokkanische Kosmetika herausstellt. Immerhin sind einige aus unserer Gruppe an Kräutern, Salben und Ölen durchaus interessiert.

Die Souks mit den festen Geschäften sind natürlich eine beliebte Wanderstrecke für Touristen. Die Hauptattraktion ist allerdings der berühmte Platz Demaa el Fna, der schon im Mittelalter berühmt-berüchtigt war. Usprünglich war es der Henkersplatz, wo die Köpfe der Gehenkten ausgestellt wurden.

Auf dem Djemaa el Fna, dem Gauklerplatz in Marrakech
Tagsüber ist der Platz fast leer, weil die Händler alle ihre Stände abends wieder abbauen müssen.
Die Menschen überqueren den Patz und   kaufen in den Geschäften am Rand oder in den Souks ein. Ab 18:00 Uhr steigen überall auf den   Ständen der Garküchen weiße Qualmwolken hoch. Die Grills, Tajines   und Kochtöpfe sind angeworfen worden. Ein Duft zwischen aromatisch   und verbrannt ist wahrzunehmen und alles wird sehr geschäftig. Die   Schnellküchen haben überall Sitzbänke und Stühle aufgestellt und   hoffen auf hungrige Gäste.
Inzwischen füllt sich der Platz immer mehr, denn jetzt kommen die   Touristen und Reisegruppen, weil ihnen die Reiseführer erzählt   haben, dass die richtige orientalische Atmosphäre erst bei   Sonnenuntergang hier entsteht. Bis dahin sitzen wir in einem Café am   Rande des Platzes und schauen uns alles an. Die Schlangenbeschwörer,   Gaukler, Märchenerzähler und viele Jugendliche, die artistische   Übungen vorführen, haben ihre abendliche Arbeit aufgenommen und   hoffen auf entsprechende Anerkennung und Trinkgelder. Eine Stunde später kommen die Menschen aus allen umliegenden Gassen und Straßen und strömen auf den Platz.
Ein Stückchen weiter liegt die berühmte Koutoubia Moschee, das Wahrzeichen von Marrakech. Das 77 m hohe Minarett dieser Moschee aus dem 12. Jhdt. strahlt in der Abendsonnen und ist von überall sichtbar. Wenn es nachts angestrahlt wird, kann man es noch aus 30 km Entfernung sehen.

Es ist in der Tat wunderschön, hier zu sitzen und am liebsten würden wir hier bleiben,   uns auf eine der umliegenden Dachterrassen setzen   und dem bunten Treiber weiter zuschauen. Vor allen Dingen   muss es toll aussehen, wenn überall die Lichter angehen und   die Koutouba-Moschee beleuchtet ist. Leider wartet aber   unser Bus an der Moschee, denn wir wohnen ja außerhalb der   Stadt.
Das Abendessen in unserem Hotel ist etwas besser als   gestern, aber das Internet ist wieder ausgefallen. Ärgerlich   ist auch, dass man abends nicht in Ruhe ein Bier an der Bar   trinken kann, denn dort ziehen die Animateure mit den Gästen   die übliche lautstarke Club-Show ab.

Montag,   20.4. 2015
Beim Frühstück gibt es   leider wieder das alte Brot von gestern. Mails können wir   auch nicht wegschicken, denn das Internet ist weiterhin ausgefallen. Das Hotel ist merklich leerer geworden, weil viele   marokkanische Familien mit ihren Kindern gestern Abend   abgereist sind.
Ausflug nach   Essaouira
Um 7:45 Uhr starten wir bei wunderschönem Wetter nach   Essaouira. Zunächst fahren wir über die Autobahn, kommen   dann aber in ländlichere Gebiete. Hier ist das wahre   Marokko: Neben der Hauptstraße mit Asphalt gibt es in den   Dörfern nur staubige Sandwege. Die vielen Mercedes-Taxis,   die wir in den Großstädten gesehen haben, gibt es hier gar   nicht, sondern stattdessen stehen Pferdetaxis an der Straße   und wollen gemietet werden. Hier zwei Bilder aus Sidi Moktor:
 
Eigentlich   fühlen wir uns schon wieder ins Mittelalter versetzt, denn   von den Segnungen der Zivilisation haben die Dörfer hier   wenig mitbekommen. Die Gegend ist sehr steinig und bei   weitem nicht fruchtbar wie die im Norden. Dennoch finden wir   manchmal Weingärten und schließlich auch Wälder mit   Thuja-Bäumen und Arganien, aus denen man das kostbare   Argan-Öl gewinnt.
 
Die Früchte des Argan-Baums   sind eine Mischung aus Olive und Mirabelle, sind allerdings   Beeren und haben einen Kern, der etwas kleiner ist als eine   Haselnuss. Darin sind jeweils zwei oder drei Samenkerne. aus   denen das kostbarer Arganöl gewonnen wird. Die Argan-Bäume findet man nur   in Algerien und Marokko. Sie werden bis zu 12 Meter hoch   und können extreme Trockenheit und Hitze vertragen. Die   Früchte werden gern von den Ziegen gefressen, wobei diese   aber den harten Kern wieder ausspucken.
Dass die   Ziegen nur das Fruchtfleisch fressen und die harten Kern   wieder ausspucken, freut natürlich die Bauern, die daraus   nämlich das Öl gewinnen. In einer   Argan-Öl-Presserei  schauen wir uns das Verfahren an,   wie aus den Früchten und Kernen das Öl gewonnen wird.
Wir müssen oft schmunzeln und lachen, weil uns die Geschäftsführerin des Betriebes in einer sehr schwer verständlichen, aber durchaus blumenreichen englisch-deutschen Sprachmixtur alles   Wissenswerte erklärt. Dabei können wir in dem Vorführraum den Frauen   bei der Arbeit zuschauen. In Handarbeit mit mittelalterlichen Werkzeugen und Verfahren  werden die Kerne mit Steinen   zerschlagen und die Samen ausgepresst. Das Zermahlen der Kerne und das Pressverfahren   sind ganz schön anstrengend, denn für einen Liter Öl brauchen die   Frauen einen ganzen Tag. Das Argan-Öl ist ziemlich hochwertig, weil es viele   ungesättigte Fettsäuren enthält. Es hat einen nussigen   Geschmack. Für die Haut und für die Gourmet-Küche ist es   sehr begehrt und viele aus unserer Gruppe kaufen ein   Fläschchen, obwohl es nicht unbedingt preiswert ist. Im Internet ist es deutlich billiger zu bekommen.
Um 11:00 Uhr geht es weiter nach Essaouira, das wir eine halbe Stunde später erreichen. Der Strand ist breit und lang, sieht aber jetzt bei Ebbe nicht gerade einladend aus. Vor allem ist das Wasser sehr schmutzig.
Im Hafen wiegen sich Hunderte von kleinen und großen Fischerbooten. Jetzt merkt man schnell, dass die Leute hier vom Fang der Sardinen und Seeaale leben, die vor der Atlantikküste zahlreich vertreten sind. Die Fischer bestücken ihre Netze mit Ködern und auf der anderen Seite des Hafens werden noch Schiffe in alter Holzbauweise gefertigt.

Früher hieß die Stadt Mogador. Dieser Name wird heute nur noch für die kleine vorgelagerte Insel benutzt. Schon im 7. Jahrhundert vor Christus gab es hier eine Siedlung der Phönizier, die damals den äußersten Punkt der antiken Welt darstellte.

Im 15. und 16. Jhdt. eroberten die Portugiesen die damalige Berbersiedlung und befestigten sie mit einer Umgebungsmauer, die später im Laufe der Jahrhunderte immer stärker ausgebaut wurde und heute noch als beeindruckender Wall um die Medina vorhanden ist. Durch das große Tor gelangt man in die Altstadt und kann einen Spaziergang über die alten Festungsmauern machen. Hier einige Bilder davon:
Es gibt viele wunderschöne   Fotomotive in der Stadt, die heute über 100 000 Einwohner   hat, aber irgendwie ihren orientalischen Charme bewahrt hat.   Die Souvenirs sind ausgewählt und irgendwie authentisch. Es   ist einfach nicht der Krimskrams  aus den Souks, der   den Touristen in vielen anderen Orten den   Touristen angeboten wird. Vielfach ist es echte Handarbeit   der Berber und keine chinesische Importware. Deshalb  verstehen wir auch, dass unser Reiseführer Çaglar uns den Tipp gegeben hat,  Souvenirs aus Marokko hier zu kaufen.

Auf dem Bild oben kennen wir  unseren Verkäufer schon aus unserem Reiseführer mit dem gleichen Foto. Aber es  macht natürlich Spaß, jetzt mit ihm zu sprechen und seine vielen handgestrickten  Kopfbedeckungen zu bewundern.
Wir spazieren durch die Gassen bis zum Restaurant Le Mechouar, wo wir uns zum Mittagessen treffen.

Das Mittagessen ist die reinste  Katastrophe. Auf dem Bild sehen Sie, wie nach dem spärlichen   Salat mit wenigen Tropfen Dressing der Hauptgang serviert   wurde: Die Fischplatte ist  für 4 Personen gedacht! Alle  Fische waren total trocken, voller Gräten und und phantasielos zubereitet. Außerdem waren die   Getränke unverschämt teuer (für ein Glas 0,25 l Casablanca Bier bezahlten wir 5 € !) und   der Service miserabel. Über diese typische Touristenfalle haben wir uns sehr geärgert. Andererseits war das Mittagessen in   dem Ausflugspreis inbegriffen und dann sollte man sich nicht   darüber wundern.
Wegen der unverschämten Preise verzichten wir auf einen Kaffee nach dem Essen und machen lieber einen Spaziergang zum Osttor, weil dahinter die Souvenirmeile der   Altstadt aufhört und das echte Einkaufsleben der Einheimischen   beginnt. Das gefällt uns nämlich viel besser.


Hinter dem Osttor kaufen die Einheimischen in den   Souks ein.
Wir   spazieren durch viele Torbögen und enge Gassen, in denen die Metzger   und Gemüsehändler ihre Waren verkaufen; alles ist sehr interessant,   aber durchaus vergleichbar mit den Medinas anderer Städte.

   Echtes Altstadtleben ohne Touristen hinter dem Osttor
Um 15:45 Uhr macht sich unser Bus wieder auf den Rückweg nach Marrakech. Unterwegs erklärt Çaglar die Aufgaben unserer Mannschaft aus dem Reisebus, mit dem wir jetzt eine Woche unterwegs sind und bittet um entsprechende Trinkgelder für die Anerkennung der erbrachten Serviceleistungen. Er macht das sehr geschickt und man merkt, dass er viel Erfahrung hat, die Gäste der Gruppe zu einer großzügigen Gabe zu überreden. Am nächsten Tag sei schließlich ein anderer Bus da, der uns nur zum Flughafen bringen würde, während er mit dieser Mannschaft die neue RSD-Reisegruppe vom Flughafen abholen würde. Er müsse sich also schon jetzt von allen verabschieden. Andererseits hat er sich ja große Mühe mit der Organisation gegeben und alles clever geregelt. Wir sind also sehr zufrieden und drücken ihm   persönlich die Hand und die Scheine hinein.
Das Abendessen im Hotel ist wieder sehr mäßig. Lediglich die Gemüsesuppe schmeckt, wenn man sie mit Salz und Pfeffer kräftig würzt. Es ist wirklich schade. Hatten wir uns doch von Marokko eine tolle orientalische Küche erhofft!

Dienstag, 21.4. 2015
Heute haben wir viel Zeit, denn unsere Abholung ist für 15:40 Uhr terminiert worden. Das bedeutet, dass wir mit einem Taxi durchaus noch nach Marrakech in die Medina fahren könnten. Einige machen das auch, andere Gäste aus der Gruppe ziehen es vor, im Hotel zu bleiben, zu relaxen und das Schwimmbad oder die Saunalandschaft noch ein wenig auszunutzen.

Leider ist der Himmel an diesem Morgen bedeckt und es ist noch ziemlich kühl, sodass es am Pool gar nicht gemütlich ist. In die Lobby kann man sich aber auch nicht verziehen, weil man wieder keine Mails empfangen oder abschicken kann, denn die Internetverbindung streikt dauernd. Ich schreibe also meinen Reisebericht und die Bewertung für das Hotel.

Um 15:40 Uhr kommt pünktlich der versprochene Bus, der uns zum Flughafen bringt. Es ist auch ein Reiseleiter dabei, der uns zum richtigen Schalter leitet und uns darauf aufmerksam macht, dass wir noch Ausreiseformulare ausfüllen müssen. Das machen wir, während wir noch lange in der Warteschlange stehen. Schließlich ändert sich noch das Abflug-Gate, aber die Maschine von Sunexpress startet pünktlich um 18:00 Uhr. Drei Stunden und 10 Minuten später landen wir in Köln. Das war Marokko 2015.

Vielleicht haben Sie ja noch Lust, andere Reiseberichte von mir zu lesen? Dann schauen Sie doch mal auf meine Reiseseite!   

Zurück zum Seiteninhalt