Reisebericht China 2011: Shanghai, Peking, Guilin, Xian, Yangtse - Reiseberichte von Hawaii und anderen Trauminseln

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Reiseberichte von Paul Tresselt

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Reisebericht China 2011: Shanghai, Peking, Guilin, Xian, Yangtse

Reiseberichte
Reisebericht China: Im Reich der Drachen und Dämonen
Hier sind   meine Erfahrungen von einer Chinareise, die wir mit Meiers Weltreisen   vom 11.10. - 14.11.2011 gemacht haben. Das war eine 14 tägige   kombinierte Schiffs-, Flug- und Busreise, die der Veranstalter unter dem   Namen "Im Reich der Drachen und Dämonen" im Programm hatte. Zunächst   haben wir Shanghai besichtigt und einige Ausflüge in die nähere Umgebung   gemacht, bevor wir von dort nach Yichang geflogen sind, das am Yangtze -   Fluss liegt. Dort haben wir ein Fluss-Kreuzfahrtschiff bestiegen und   sind 660 km auf dem Yangtze bis nach Chongqing gefahren. Mit dem   Flugzeug ging es weiter nach Guilin, wo wir unter anderem  über den   berühmten Li-Fluss geschippert sind. Von dort aus sind wir nach Xi´an   geflogen, um die Terrakotta-Armee zu besichtigen. Endpunkt der Rundreise   war dann Peking mit einem Besuch der Großen Mauer, dem Platz des   himmlischen Friedens und der verbotenen Stadt. Anschließend sind wir   noch 14 Tage auf die Insel Hainan im südchinesischen Meer geflogen, um   das "Hawaii Chinas" zu testen. Zum Schluss waren wir noch einige Tage in   Hongkong, weil wir wissen wollten, wie sich die Stadt verändert hat,   seit wir sie noch unter englischer Verwaltung besucht hatten. Das war   unsere Route:           

Unser Abenteuer China hatte ja eigentlich   schon im September begonnen, als wir mit viel Mühe, Zeitaufwand und   Tricks bei der chinesischen Botschaft in Frankfurt versuchten, ein Visum   zu bekommen. Das gelang uns auch schließlich, wobei wir dennoch Bedenken   hatten, dass alles ok. war, als wir die kostbaren Visa endlich in den   Händen hatten. Denn erstens handelte es sich nicht um ein Mehrfachvisum,   das wir beantragt hatten und zweitens fehlte bei meinem Visum eine   Ziffer der Passnummer. Wir hoffen nun, dass es keiner merkt und dass wir   bei der Wiedereinreise von Hainan nach Hongkong keine Probleme haben.
Als nun zwei Tage vor unserer Abreise die Ankündigung eines Streiks des   Bodenpersonals und nachfolgend der Fluglotsen angekündigt wurde, wurden   wir doch etwas unruhig.
Immerhin checkten wir abends vorher online ein und druckten unsere   Tickets für Frankfurt und Shanghai aus. In Düsseldorf flog unsere   Maschine dann erst 15:50 Uhr ab - 1 1 /4 Stunden später - und wir   mussten in Frankfurt vom Gate A26 bis zum Gate B43 hetzen, um gerade zum   Boarding des Jumbos nach Shanghai zurechtzukommen. Aber dann verzögerte   sich auch dieser Start bis 18:00 Uhr. Herr Feldmann vom Reisebüro   Flugbörse hatte uns die Zweierreihe 55H+J vorgebucht, sodass wir die 10   Stunden Flug einigermaßen locker überstanden. Dabei haben wir begriffen,   dass man sich wie unser Sitznachbar zur Linken am Gang während des   Fluges total vollfressen und vollsaufen kann. Er bestellte sich das   Essen anschließend noch zweimal - und erhielt es auch -, wobei er so   viel Bier und Wein durcheinander trank, dass einem schlecht werden   konnte. Er bestellte einfach immer nach oder ging zur Stewardess, die es   ihm dann brachte. Das Frühstück bestellte er sich auch 2x, wir waren   fassungslos - die Lufthansa lieferte alles kommentarlos.
11.10.2011
Shanghai
Beim Anflug auf den Internationalen   Flughafen Pudong sahen wir unter uns durch den Smog die Hochhäuser für   die 20 Millionen Einwohner von Shanghai - alle in Reih´ und Glied   konzipiert nach mathematischen Gesetzen. Der chinesische   Gestaltungswillen begrüßte uns schon.

Anflug auf Shanghai
In Shanghai war es bei unserer Ankunft   10:03 Uhr und 25°C. Die Immigration lief ab wie am Schnürchen: 50   Schalter waren geöffnet und die ankommenden Menschenmassen wurden   perfekt verteilt, sodass wir eine Viertelstunde später schon mit unserem   Gepäck durch den Ausgang marschierten, wo eine 50 m lange Warteschlange   mit Schildern Spalier stand, um die Fluggäste abzuholen. Feng Wei, unser   Reiseleiter stand am Ende der Schlange und begrüßte uns. Zwei andere   Gäste aus Stuttgart trafen wir noch und freuten uns, dass die Reise zu   viert los ging. Aber Feng holte nach und nach noch 9 Gäste aus den   nächsten Maschinen aus Hongkong oder Amsterdam, sodass wir auf 13   anwuchsen.
So marschierten wir hinter seinem   Fähnchen, das er als Erkennungszeichen hochhielt, eine Stunde später in   Richtung Transrapidstation. Dabei eröffnete er uns, dass er am   Nachmittag noch 13 Gäste aus München und Österreich abholen würde, die   auch zu seiner Gruppe gehören würden. Wir wären also 26 Personen. Das   hatten wir überhaupt nicht erwartet, aber so ist das Leben nun mal.
Es waren aber alles nette Leute, nicht alles Rentner wie wir. Das   Problem des Fahrkartenlösens nahm uns Feng glücklicherweise ab.
Ticket-Center in Shanghai am Flughafen-Bahnhof
So warteten wir auf den Transrapid. In   China darf man nicht auf den Bahnsteig, bis der Zug kommt. Erst dann   wird die Tür geöffnet und alle dürfen auf den Bahnsteig gehen. Überall   stehen Wärter, die das regeln.
Dann kam der Transrapid (von deutschen   Firmen gebaut und als chinesische Errungenschaft verkauft). In 7 Minuten   beförderte er uns die 30 km zur nächsten Busstation mit über 300km/std,   wobei Feng ausdrücklich erklärte, dass der Zug 450 km/h fahren könne,   wenn er wollte. Aber auf dieser Strecke seien es "nur" 300km/h. Der Zug   war natürlich superbequem und schnell.
Nur eine einzige Station weiter wartete der Bus auf uns, der uns dann in   weiteren 30 Minuten zu unserem Hotel "The Longemont" auf der Yan´an Road   brachte. Ein Superhotel! Wer Interesse hat, sollte es sich mal   anschauen:
http://www.thelongemonthotels.com/
Wir waren perplex: Ein Hotel der Spitzenklasse mit allem, was man sich   denken kann. Wir bekommen ein tolles Zimmer im 35. Stock mit einem   supermodernen Bad und einer schönen Aussicht auf die Stadt. Trotz des   Smogs, der über der gesamten Stadt hängt, kann man 10km weit sehen:

Blick vom 35. Stock des   Longemont Hotels auf Shanghai
Der Internetanschluss mit   LAN-Kabel im Zimmer ist kostenlos, wobei mir allerdings auffällt, dass   die Verbindung oft unterbrochen wird, wenn ich Google anwähle.   Vielleicht mögen die chinesischen Behörden die Suchmaschine nicht. Aber   meine Post kann ich beantworten.
Die Yan´an Road ist eine Stadtautobahn, die quer durch die Innenstadt   läuft - vielfach doppelstöckig - , wie wir sie aus unserem Hotelfenster   aus sehen. Manche der Stadtautobahnen kreuzen sich sogar dreistöckig   oder vierstöckig:

Die Yan´an Road vom Fenster des 35. Stock  vom Longemont Hotel aus
Das ist noch toller als in Los Angeles. Ich glaube, die Chinesen haben   es darauf angelegt, alles noch besser und größer zu machen als die   Amerikaner. Ihren Landsleuten zeigen Sie damit, wie groß und stark China   ist, was man alles geleistet hat und wie stolz man darauf sein kann,   Chinese zu sein. Shanghai verbucht allein jedes Jahr 6 Millionen   Touristen aus China selbst, die ebenfalls in Gruppen hinter einem Führer   mit Fähnchen herlatschen wie wir. Allerdings freuen sich die Chinesen,   wenn sie uns, die "Langnasen", fotografieren können. Es ist schon   witzig, wenn man angesprochen wird, ob man sich gern mit einem Chinesen   fotografieren lassen will...

Shanghai - Durchgangsstraße in der Stadt
Das ist noch toller als in Los Angeles. Ich glaube, die Chinesen haben   es darauf angelegt, alles noch besser und größer zu machen als die   Amerikaner. Ihren Landsleuten zeigen Sie damit, wie groß und stark China   ist, was man alles geleistet hat und wie stolz man darauf sein kann,   Chinese zu sein. Shanghai verbucht allein jedes Jahr 6 Millionen   Touristen aus China selbst, die ebenfalls in Gruppen hinter einem Führer   mit Fähnchen herlatschen wie wir. Allerdings freuen sich die Chinesen,   wenn sie uns, die "Langnasen", fotografieren können. Es ist schon   witzig, wenn man angesprochen wird, ob man sich gern mit einem Chinesen   fotografieren lassen will...
Wir sind jedenfalls begeistert von Shanghai: keine Graffitis   (wahrscheinlich wird jeder Graffiti-Maler sofort in den Knast gesteckt),   alles supersauber und ordentlich; die Brückenbauten und Betonburgen sind   hoch und stabil gebaut, der Beton ist überall gestrichen und wetterfest   gemacht, es bröckelt nirgendwo etwas und rostet nichts, die Bürgersteige   sind ordentlich gepflastert und ohne Schutt wie in Indien. Die Inder   haben keine Chance gegen die Chinesen. Wer einmal hier alles gesehen   hat, weiß, dass die Zukunft der Weltwirtschaft hier liegt. Europa ist   eindeutig auf der absteigenden Seite der Globalisierung.
Shanghai ist vielleicht eine Stadt! 20 Millionen Einwohner - so viele   wie ganz Australien - und das auf einem Haufen: 100 km Durchmesser von   Westen nach Osten, 120 km von Norden nach Süden. Nachdem wir den ersten   Schock mit dem Verkehr, 3 Autobahnen untereinander und den vielen   Menschen verdaut haben, staunen wir nur noch. Da wir beim letzten Mal   Delhi erlebt haben, müssen wir feststellen, dass die Inder nicht die   geringste Chance gegen die Chinesen haben. Hier fahren gar keine Tuktuks   und keine Rikschas mehr - nicht einmal mehr die riesigen Schlangen von   Radfahrern sind zu sehen, die wir vor einigen Jahren noch in Guangzhou   beobachten konnten, sondern hier sausen fast geräuschlos   Elektrofahrräder auf dem Bürgersteig an uns vorbei, so dass wir vor   Schreck auf die Seite springen, dazu flitzen auf den Standspuren der   Straßen unglaubliche Mengen von Elektrorollern, Mopeds und   Leichtmotorrädern in beiden Richtungen aneinander vorbei. Wahnsinn. An   die Verkehrsregeln hält sich kaum einer. Da Rot die Glücksfarbe der   Chinesen ist, fahren sie auch ungehindert bei dieser Farbe über die   Kreuzung. Polizisten auf Rollern, Autos oder schweren Kawasakis sehen   das auch und ignorieren es. Dabei wird alles videoüberwacht. Auf vielen   Straßenlaternen und auf den Kreuzungen befinden sich mehrere Kameras,   die alles registrieren, das weiß aber jeder und irgendwie rollt dennoch   alles.
Hier wird alles überwacht, sagt uns Feng, unser Reiseleiter, aber im   Gegensatz zu Europa wisse das jeder und das wäre halt so und man lebe damit.   Und tatsächlich habe ich gestaunt, als ich mein Konterfei auf einem   Bildschirm am Bahnhof sah, weil ich halt gerade unter dem   Aufnahmebereich einer Kamera stand.
Wir fahren am Abend in die Altstadt, die wunderschön beleuchtet   ist. Die Chinesen haben eine Vorliebe für bunte Beleuchtung, rote   Laternen, blinkende Lichter und allerlei Lichteffekte. So schmückt halt   jeder sein Haus oder seinen Verkaufsstand mit irgendwelchen   Lichterschlangen. Das sieht natürlich toll aus.

Die Altstadt von Shanghai am Abend

In der Altstadt von Shanghai
In der Altstadt lässt es   sich dann wunderschön bummeln, weil alle Geschäfte von 10:00 bis   22:00 Uhr geöffnet sind. 7 Tage die Woche. Viel Polizei läuft herum.   Aber das verleiht uns auch ein bisschen das Gefühl der Sicherheit.   Natürlich erkennen die Chinesen jeden Touristen sofort und wir   werden oft angesprochen, ob wir nicht eine Rolex oder einen   Montblanc-Füller kaufen wollen (davon später noch einiges), aber es   bedrängt uns keiner. Wenn man ablehnt, wird man in Ruhe gelassen.   Die Altstadt ist wirklich pittoresk mit den alten Fassaden. Feng   lädt uns zum Teigtaschen-Essen in ein Restaurant ein, wir verzichten   aber auf die berühmten Köstlichkeiten, als wir sehen, dass es sich   um die elenden geschmacklosen Dinger handelt, die mit Sauerkraut,   Pilzen oder anderen undefinierbaren Sachen gefüllt sind, die wir   schon vor drei Wochen in der Ukraine nicht mochten. Stattdessen   machen wir einen Spaziergang auf eigene Faust durch die nächtlichen   Gassen und sind begeistert von den Häusern und vom Leben in den   Gassen. Dazwischen befindet sich ein altes Teehaus mitten in einem   kleinen See, das uns sehr gefällt. Es gibt so viele Motive, dass man   nicht aufhören könnte zu fotografieren.

Teich mit Teehaus in der   nächtlich beleuchteten Altstadt von Shanghai
Anschließend bummeln wir   über den Bund, die wunderschöne kilometerlange Promenade am   Ufer des Huangpu-Flusses und sehen auf der anderen  Seite den   Stadtteil   Pudong mit seinen glitzernden Hochhausfassaden, die uns stark   an Hongkong erinnern.

Skyline von Pudong
Schließlich können wir   Feng davon überzeugen, dass er mit uns durch den Tunnel unter dem   Huangpu-Fluss hindurch auf die andere Seite von Shanghai in den   Stadtteil Pudong fährt. Wir möchten gerne auf den Fernsehturm   steigen und von oben ein Foto vom nächtlichen Shanghai machen. So   fahren wir hinüber und Feng rät uns, lieber auf das Observation-Deck   des 420 m hohen Jin-Mao-Towers zu fahren und oben vom 88. Stock aus   zu fotografieren. Das machen wir dann auch. Der superschnelle   Fahrstuhl befördert uns in 40 Sekunden auf 344 m Höhe und erlaubt   faszinierende 360°-Rundumblicke auf eine wirkliche Weltstadt.   Fantastisch. Das Bild ist nur ein kleiner Ausschnitt. Ich habe 90   Fotos geschossen und muss noch einige zu Panoramafotos   zusammensetzen.

Nächtlicher Blick vom Jin Mao Tower
Aber hier haben wir wiederum erkannt:
China ist top - das Land muss nicht noch entwickelt werden. Es hat Europa und auch Amerika bereits überholt. Das beweist der Blick von hier oben. Nebenan hören wir die Presslufthämmer und sehen die blau zuckenden Blitze der Schweißgeräte aufleuchten: Hier entsteht gerade in Tag- und Nachtarbeit das höchste Gebäude Chinas: der 632 m hohe Shanghai-Tower. Schauen Sie mal bei Wikipedia nach, was daraus geworden ist. Es ist beeindruckend. Und die Chinesen realisieren alles. 2015 wurde der Tower eröffnet. Er hat 106 Aufzüge und die höchste Aussichtsplattform der Welt. Auf dem rechten Bild sehen Sie das Foto aus Wikipedia. Der Turm hat das Stadtbild und die Skyline von Shanghai völlig verändert. Der Gebäude ist nach dem Burj Khalifa in Dubai und dem Tokio Tower das dritthöchste Gebäude der Welt.
Donnerstag, 13.10.
Nach dem ersten Abend in   Shanghai waren wir natürlich gespannt auf die weiteren Highlights   dieser Stadt. Auf dem Wege in die Altstadt erzählt uns Feng, der   einen Sohn hat, etwas über die Geburtenpolitik. Er möchte auch gern   noch eine Tochter haben, obwohl die Töchter teurer sind wegen der   Mitgift. Dazu müsste er aber das Dreifache des   Jahres-Durchschnittsverdienstes von Shanghai als Sozialbeitrag   (heißt jetzt "Sozialbeitrag" wegen der Menschenrechte - hieß früher   "Strafe") bezahlen, das wären zur Zeit 150000 Yuan, also 15000 Euro.   Ein teurer Spaß, den sich nur reiche Leute leisten können. Viele   fahren während der letzten Monate der Schwangerschaft als Touristen   in die USA oder nach Australien. Wenn das Kind dann dort geboren   wird, wird zwar auch die Sozialgebühr fällig, aber es erhält sofort   auch die dortige Staatsbürgerschaft. Das ist natürlich raffiniert.   Auf dem Land dürfen die Bauern zwei Kinder haben, wenn das erste   Kind eine Tochter ist. Das ist kostenfrei. Ansonsten muss man auch   in den anderen Städten einen Sozialbeitrag bezahlen, der zwischen   3000 und 5000 Euro beträgt. Kondome und Abtreibungen sind für alle   Bürger kostenlos. Das Sozialgeld muss auch für Kinder gezahlt   werden, die im Ausland geboren werden. Reiche Eltern machen das   aber, weil die Kinder dann die Staatsangehörigkeit des betreffenden   Landes dann gleich mit haben. Bevorzugt sind Australien und die USA.
Zuerst spazieren wir   durch den Yu-Yan-Garden, den ein kaiserlicher Beamter im 16.   Jahrhundert angelegt hat.

Seine Teiche und künstlichen Felsengebirge laden zu meditativen Spaziergängen ein. Neu für uns sind die Mauern mit Durchblicken vieler Art, die die   Neugier auf einen andersartig gestalteten Gartenabschnitt erwecken   sollen.

Das Teehaus in der Mitte des Sees wird über eine gezackte Brücke   erreicht, die die bösen Geister abhalten soll. Überhaupt erfahren   wir von Feng Wei viel über die Götter und Geister der Chinesen mit   ihrem Gemisch aus Buddhismus, Taoismus, Konfuzius und Laotse, die   die Religionen und Lebensziele bestimmen.
In der Altstadt ist viel   los, an dem Restaurant mit den Teigtaschen stehen 122 Leute in der   Warteschlange.

Wenn man nämlich die Teigtaschen nicht an den Tischen   verzehrt, sondern unten am Fenster in Empfang nimmt, kosten sie die   Hälfte. Eine moderne Form von Fast Food to go.

Ausgabe der Teigtaschen am Fenster des Schnell-Restaurants in der Altstadt von Shanghai
Danach spazieren wir auf   dem Bund entlang, das ist die Uferpromenade am Huangpu-Fluss.

Trotz des trüben Wetters   ist an diesem Vormittag viel Betrieb hier. Die andere Seite des   Huangpu-Flusses liegt leider im Nebel und Nieselregen, der ab und zu   herunterkommt. Es ist zwar 21°C, aber fast 100% Luftfeuchtigkeit.   Der Fluss ist ein Nebenfluss des Yangtse und hier 9 m tief. Selbst   größere Küstenmotorschiffe fahren hier vor unseren Augen vorbei. Bis   zum Meer sind es 30 km.

Die Skyline auf der anderen Seite sieht bei weitem nicht so schön   aus wie gestern Abend, trotzdem lassen sich viele Hochzeitspaare an   dieser Stelle fotografieren, weil die Kulisse so großartig ist.
Viele Hochzeitspaare   machen ihre Fotos vor der Skyline von Pudong. Natürlich heiratet man   in China in Rot, weil das die Glücksfarbe ist. Die Bilder werden   übrigens alle vor der Hochzeit gemacht und dann den   Verwandten mit der Einladung zur Hochzeitsfeier zugesandt. Deshalb   müssen Braut und Bräutigam sich in möglichst vielen verliebten Posen   fotografieren lassen. Die Verwandten prahlen dann mit diesen   Bildern.
So schön das Foto auch   ist - ein wenig traurig sind wir schon über das trübe Wetter, wenn   wir das Foto mit den Postkartenfotos vergleichen:

Der Wolkenkratzer mit der Öffnung auf den obersten Etagen wird von   den Chinesen "Flaschenöffner" genannt. Er ist typisch für die   Skyline des Finanzviertels Pudong von Shanghai.

Fünf Jahre später sieht die Skyline schon ganz anders aus, nachdem   der Shanghai-Tower fertig gestellt wurde. Sämtliche Baukräne, die auf dem vorigen Foto noch zu sehen sind, sind verschwunden.

Unser Mittagessen nehmen wir zünftig in einem Restaurant neben der   russischen Botschaft ein. Hier gibt es für uns auch Gabeln zum   Essen. Man sitzt wie überall an Zehnertischen, weil im Normalfall   pro Person ein Gericht angeboten und auf den Drehteller in der Mitte   gestellt wird. So hat der Tisch eine größere Auswahl. Deshalb gehen   die Chinesen auch in größeren Gruppen essen, zu zweit haben sie auch   Probleme, weil es dann schwierig mit der kleinen Auswahl wird.

Die Suppe isst man zum Schluss und den Reis nur als Häppchen, wenn man   alles andere gegessen hat. Das chinesische Bier ist dünn (2,8 %   Alkohol) und etwas gewöhnungsbedürftig. Aber preiswert ist das Essen   natürlich.
Am Nachmittag   spazieren wir über die größte Geschäftsstraße Chinas, die Nanjing-Lu Road. Allein der Fußgängerbereich ist 5 km lang. Trotz des regnerischen Wetters schlendern und schoppen Tausende von   Chinesen und Touristen über die breite und großzügig angelegte   Geschäftsstraße.

Auf der Nanjing-Lu Road in Shanghai
Es gibt alles: riesige Kaufhäuser, schicke   Boutiquen, Vertretungen aller namhaften europäischen und   internationalen Hersteller und die entsprechenden Hotels. Wir   besuchen einen Lacoste-Laden, der keiner ist,  aber alles   anbietet, was Lacoste hat und unter seinem Namen verkauft.

Lacoste Billigladen auf der Nanjing-Lu Road in Shanghai
Die   schicken Poloshirts kosten 4,90 €, die Cityhemden 11,90 € und alles   andere auch zu solchen Preisen, dass man gleich weiß, dass sie nicht   echt sein können. Aber der Laden ist voll.
Wir spazieren ein Stück weiter durch die Geschäftsstraße, die es mit   jeder Shopping-Meile dieser Welt locker aufnehmen kann und müssen   lachen, weil uns gerade vor dem teuren Rolex-Geschäft ein Chinese   anspricht und uns eine Rolex für 15 € verkaufen will, die im   Schaufenster liegt und 3000 € kostet. Ein Laie kann den Unterschied   nicht feststellen. Das muss doch den Firmen weh tun, wenn sie sehen,   dass vor der Tür ihre Plagiate ungestraft angeboten werden. Aber   hier lebt anscheinend jeder damit - und auch gut. Hier unser Eindruck von der Straße:
Wir spazieren ein Stück weiter durch die Geschäftsstraße, die es mit jeder Shopping-Meile dieser Welt locker aufnehmen kann und müssen lachen, weil uns gerade vor dem teuren Rolex-Geschäft ein Chinese anspricht und uns eine Rolex für 15 € verkaufen will, die im Schaufenster liegt und 3000 € kostet. Ein Laie kann den Unterschied nicht feststellen. Das muss doch den Firmen weh tun, wenn sie sehen, dass vor der Tür ihre Plagiate ungestraft angeboten werden. Aber hier lebt anscheinend jeder damit - und auch gut.
Der Rest des Nachmittags gehört dem berühmten Tempel mit dem Jadebuddha, den die Mönche trickreich vor der Kulturrevolution gerettet haben, indem sie ihn hinter einem Bild von Mao-Bild versteckt haben.

Im Vorhof des Tempels opfern die Chinesen gleich ganze Bündel von Räucherstäbchen, sodass uns eine beißende Qualmwolke mit vielen umherfliegenden  Ascheteilchen empfängt. Den Jadebudda selbst darf man aber nicht fotografieren. Hier ein Video davon:
Um kurz vor 17:00   Uhr kommen wir bei strömendem Regen wieder in unserem Hotel an und   gönnen uns eine Ruhepause, denn wir haben für den Abend eine   Theatershow gebucht. Um 18:30 Uhr fährt uns der Bus zu "Era", der   Show, die ganzjährig  in Shanghai läuft.
Leider darf man in der Artisten-Show im Sportpalast nicht   fotografieren. Wir sind fasziniert von der Weltklasse-Darbietung,   die uns stark an die Zirkusshow vom Cirque de Soleil erinnert, aber   noch besser und atemberaubender ist. Die Darbietungen  der   chinesischen, japanischen und koreanischen Artisten sind fantastisch   und wir bereuen die 180 cny (=20 Euro) Eintritt überhaupt nicht.   Shanghai ist wirklich eine Stadt, in der das Beste vom Besten   gezeigt wird, was China derzeit zu bieten hat. Toll.
Freitag, 14.10.
Schon sehr früh fahren wir durch den morgendlichen Berufsverkehr zum   Bahnhof, weil wir mit dem Zug nach Suzhou fahren wollen. Das   ist die berühmte Seidenstadt, die etwa 80 km von Shanghai entfernt   liegt und einmal die reichste Stadt Chinas war. Es ist diesig und   feucht, soll aber 25°C werden.
Am Bahnhof sind die Anzeigen zwar alle chinesisch, aber es gibt auch   englische Durchsagen. So etwas haben wir noch nicht gesehen:   Tausende von Menschen warten in 10 Wartehallen  jeweils auf den   jeweils entsprechenden Zug. Man kauft grundsätzlich eine Fahrkarte   mit einem Sitzplatz und hat dann auch Anspruch auf eine Flasche   Wasser, die in der Wartehalle ausgehändigt wird.

Das Bild ist von   Wartehalle 7, in der wir auf den Zug warten. Bei Ansage dürfen wir   erst auf den Bahnsteig - so wie die Menschen auf Bahnsteig 10   gegenüber:

Als wir unten sind,   erkennen wir auch, dass das eine sinnvolle Methode ist, denn in der   Mitte rauscht plötzlich ein ICE mit 200 Sachen durch den Bahnhof.   Wenn dort Menschen stünden, wäre das eine Katastrophe. In   Deutschland wäre so etwas kaum möglich.
Suzhou
Auch wir sausen mit über   300 km/h nach Suzhou und sind 20 Minuten später da. Die Stadt nennt   sich "Venedig des Ostens" und ist von vielen Kanälen durchzogen. Mit   einem kleinen Boot fahren wir durch die Altstadt und schauen in die   Hinterhöfe oder kleine Gassen. Es ist zwar alles sehr sauber, aber   an Venedig erinnert lediglich die Form der Brücken, alles andere   scheint maßlos übertrieben.

Durch Suzhou führt auch der berühmte Kaiserkanal, der längste ( oder   größte?) Kanal der Welt. Mit 1830 km führt er bis Peking. Er ist   ziemlich breit und 9m tief. Das ist schon eine gewaltige Bauleistung   der damaligen Kaiser gewesen. Über die Größe der Städte und   Menschenmassen muss man sich natürlich immer wieder wundern. Auch   die Stadt Suzhou, die zu den kleineren Provinzstädten gehört, hat 2   Millionen Einwohner. Man kann sich das zu Hause einfach nicht   vorstellen: China hat mehr als 100 Millionenstädte!

Suzhou,   das "Venedig" Chinas
Wir   müssen nur immer lachen, wenn ein anderes Boot vorbei kommt und die   Chinesen uns durch ihr Winken zum Lachen auffordern. Die Boote sehen   zwar nicht gerade so aus wie die Gondeln in Venedig, aber die   Chinesen stellen sich das halt so vor. Und wir lachen natürlich   auch.

Dann fotografieren sie uns "Langnasen" sofort und lachen sich   kaputt. So ist das also, wenn man selbst Ziel der Touristen aus   China ist.

   Auch Chinesen fotografieren fleißig die Langnasen
Wir sind nur immer wieder   fasziniert, wie diszipliniert alles abläuft, wenn die Massen gelenkt   werden müssen. Sei es per Bahn, Bus, Flugzeug oder Schiff. Alles ist   auch irgendwie viel größer und breiter als bei uns. Wahrscheinlich   denken die heutigen Stadtplaner und Architekten auch gleich in   derartigen Dimensionen.
Die berühmten Gärten   hauen uns nicht gerade vom Hocker. Sie sind meist mit vielen Steinen   kunstvoll gestaltet, wie etwa der Garten des Verweilens, den wir als   ersten besuchen. Als UNESCO Weltkulturerbe ausgezeichnet, sind sie   recht ansehnlich restauriert, wirken aber sehr kalt und eintönig.   Irgendwie machen sie einen traurig, nachdenklich oder melancholisch.   Uns fehlen einfach die Blumen, die einen Garten fröhlich   abwechslungsreich und fröhlich gestalten. Die Chinesen sind   begeistert von den Bonsais und Steinen, mir kommt alles wie ein   großer Friedhof vor, zumal viele Mauern die einzelnen  Gartenbereiche abtrennen.

Natürlich besuchen wir   noch eine Seidenspinnerei und anschließend den Garten des Meisters   der Fischernetze, der uns trotz der Mahagonischnitzereien in den   Teehäusern nicht zu Entzückensausbrüchen verleitet. Das gilt auch   für das Essen in einem chinesischen Restaurant mit warmem Bier. Auf   unsere Bitte, doch bitte kaltes zu servieren, sagt man uns, das sei   nicht üblich hier, weil es draußen ja nur 24 °C sei und schon nicht   mehr Sommer. Da würde man das Bier nicht mehr kühl stellen, sondern   mit Zimmertemperatur servieren. Na denn man Prost!
Feng bringt uns inzwischen die notwendigen Begriffe Chinesisch bei.   Wir wissen jetzt, dass wir im Restaurant "gong bau" verlangen   müssen, das ist Hühnerfleisch ohne Knochen, weil die Chinesen   normalerweise alles mit Knochen kochen. Und "mi fán" heißt Reis und   "pi dschiu" heißt Bier. So werden wir schon nicht verhungern und   verdursten, wenn wir in einem chinesischen Restaurant keine lesbaren   Speisekarten und keinen Kellner mit Englischkenntnissen antreffen.   Aber bisher geht es erstaunlicherweise ziemlich gut. Vielfach finden   wir nämlich oft englische Übersetzungen. Auch die Verkehrsschilder   und Straßennamen sind in Englisch und Chinesisch angegeben.
Wenn man aber mit dem Zug fährt, ist das ohne Chinesischkenntnisse   nicht so einfach. Als wir uns nämlich auf die Rückfahrt begeben,   sieht die Abfahrtstafel im Bahnhof Suzhou nämlich sehr chinesisch   aus:

Fast eine Stunde müssen wir in der Wartehalle am Bahnhof verbringen,   bis uns der Zug 18:07 Uhr wieder mit 300 km/h zurück nach Shanghai   bringt. Der Stau vom Bahnhof zum Hotel ist mäßig, sodass wir   anschließend das große Fischbüffet im Restaurant in Ruhe genießen   können (198 cny = 22 €). Das ist erstklassig.
Samstag, 15.10.
Bevor wir nach Yichang   fliegen, schreiben wir noch ein paar Postkarten an diejenigen, die   keine Mails lesen. Die Fahrt zum Flughafen geht schnell, weil heute   Samstag ist und die meisten Chinesen frei haben. Wieder und wieder   bestaunen wir die vielen verschachtelten Ringstraßen, die um   Shanghai herum angelegt sind, wie sie sich kreuzen. Es gibt vier   solcher Umgehungsringe. Oft sind drei oder sogar vier Straßen   untereinander angeordnet. Gleichfalls müssen wir immer an die   Millionen denken, die in den Häusern untergebracht werden müssen,   weil irgendwo Straßen gebaut werden und die Leute zwangsumgesiedelt   werden müssen.

Das sind dann alles keine   Wohnblocks mehr, sondern als Gruppe sofort ganze Stadtteile, in   denen 50-80000 Menschen wohnen. Die Menschen bekommen eine   Entschädigung, die aber meist nicht ausreicht, eine solche   Neubauwohnung zu kaufen. Jetzt geht man auch dazu über, sie einfach   nur zu vermieten.

Shanghai Wohngebiet
Am Flughafen in Pudong fahren wir am Domestic-Airport vor, der supermodern und sehr   großzügig nur die Inlandsflüge abwickelt. Hier fliegen vornehmlich   Chinesen nach Hause, die in der großen Weltstadt Shanghai zu Besuch   waren. Viele nehmen elektronische Sachen oder Spielzeuge mit. Als   Souvenir nimmt der Chinese die berühmten Wollhandkrabben mit nach   Hause, die eine Spezialität von Shanghai sind. Diese werden an den   Gates in Tiefkühltruhen lebend gehalten und angeboten, damit sie   noch gut frisch sind, wenn sie als Mitbringsel zu Hause bei der   Schwiegermutter auf dem Land in den Kochtopf wandern. Nicht   auszudenken, wenn so ein Vieh im Flugzeug aus dem Handgepäck   krabbelt...

Lebende Krabben im Automaten des Souvenirshops am Flughafen in Shanghai
Aber der Flug geht   reibungslos vonstatten. Wir lachen allerdings laut, als wir unsere   Sitzplätze in der Reihe 16, Sitz A+B aufsuchen. Wir haben den   Fensterplatz und den Mittelplatz in einer Boeing 737. Ein Chinese,   der auf dem Gangplatz sitzt, verzieht sich sofort, als wir Langnasen   auftauchen und uns dort hinsetzen. Das geht auch zwei deutschen   Mitreisenden auf der anderen Seite des Gangs so. Wir schauen uns   verängstigt an, ob wir vielleicht schlecht riechen, und der Deutsche   auf der anderen Seite rümpft beschämt die Nase unter seinen   Achselhöhlen, aber das ist wohl nicht der Grund, denn die Chinesen   lachen sich ebenfalls kaputt. Sie nehmen jedenfalls gern die   chinesischen Leckereien von den deutschen Fluggästen an, die es als   Bordverpflegung gibt, die wir aber nicht mögen und deshalb an sie   weiterreichen.
Yichang
Der Flug von Shanghai   nach Yichang mit Shanghai Airways startet nicht pünktlich um 15:40   Uhr, sondern erst um 16:32 Uhr, sodass wir noch zwei Stunden warten   müssen. Dann geht es aber zügig los und wir sind nach einer Stunde   und vierzig Minuten da. Es ist schon dunkel und wir müssen noch eine   Stunde mit dem Bus fahren in ein chinesisches Hotel fahren, das ein   Restaurant mit 500 Sitzplätze an 10er Tischen hat.

Mehrere Reisegruppen sind hier und es gibt ein chinesisches   Hochzeitsessen. Wir sind sehr zufrieden, weil alles schmackhaft und   richtig gewürzt ist. Es wandert sogar ein security-man im Restaurant   herum, der aufpasst, dass unseren Damen nicht die Handtaschen   geklaut werden. Er überzieht sie nämlich mit einem orangefarbenen   Leinenüberzug. Wir müssen wieder laut lachen, denn gerade so sieht   ja ein professioneller Dieb, wo sich die Handtaschen der Damen   befinden.
Aber es passiert nichts und nach einer weiteren halben Stunde   Busfahrt checken wir auf der "Century Sun" ein. Das ist ein   Flusskreuzschiff mit 156 Kabinen, von denen es inzwischen etwa 100   auf dem Jangtse gibt.
Zu dem Wort "Jangtse-kiang" muss ich allerdings noch etwas sagen:   Der Fluss heißt eigentlich Yangtze und hat in seinem Verlauf mehrere   Namen. Etwas weiter heißt er nämlich Chiang Jiang und daher kommt   der Doppelname auf deutschen Altlanten:  "Jangtsekiang". Die   Chinesen sprechen nur vom Yangtze und sprechen das so aus:   "Jangtse".
Samstag, 16.10.
Fahrt mit dem Kreuzfahrtschiff auf dem Yangtze
Die erste Nacht auf dem   Schiff verbringen wir besser als gedacht in den schmalen Betten.   Unsere Kabine 424 liegt auf dem 4. Deck von 6 und das   Maschinengeräusch hält sich in Grenzen. Das Schiff ist von 2006, in   einwandfreiem Zustand und alles ist sauber. Sogar einen kleinen   Balkon haben wir.
Um 7:45 Uhr sitzen wir an drei 9er-Tischen der Meiers-Gruppe beim   Frühstücksbuffet. Es ist alles vorhanden, allerdings mit   Massenbetrieb am Buffet, weil alle 300 Passagiere fast zur gleichen   Zeit frühstücken.
Kurz nach halb neun legt das Schiff ab und fährt durch den östlichen   Teil der Xiling-Schlucht nach Huang Ling Mao. Das Wetter könnte   besser sein, es ist zwar warm, aber die Sicht ist wegen des Dunstes   zwischen den Bergen und auf dem Fluss schlecht.

Die Century Sun
Der Yangtze ist der drittgrößte Fluss   der Erde und 6380 km lang. Davon sind 2800 km schiffbar. Er   entspringt in Tibet und mündet bei Shanghai ins Ostchinesische Meer.    Die roten Punkte markieren die Stationen und Städte, an denen wir   anlegen  Allerdings ist die Karte sehr vereinfacht. Zum   Drei-Schluchten Staudamm sind es 40 km, nach Badong 138 km und nach   Wushan 178 km. Insgesamt ist die Strecke 660 km lang, die wir von   Yichang nach Chongqing zurücklegen.

   Unsere Reiseroute auf dem Yangtze von Yichang bis nach Chongqing
Es ist alles wie auf den   großen Kreuzfahrtschiffen: Tagesprogramm, Durchsagen, Ausflüge. Das   Wetter könnte besser sein; es ist zwar warm, aber die Sicht ist   wegen des Dunstes zwischen den Bergen und auf dem Yangtze schlecht.   Es herrscht viel Verkehr auf dem Fluss. Allein 100 Kreuzfahrtschiffe   unserer Größe gibt es. Besonders faszinierend sind die chinesischen   Kreuzfahrtschiffe in Drachenform, die uns begegnen oder an uns   vorbeifahren.
Die Fahrt mit dem   Kreuzfahrtschiff ist gar nicht schlecht, weil man nicht nur den   Fluss sieht, sondern auch zwischendurch an Land geht und von der   Landschaft und den Menschen etwas erfährt. Die drei großen   Schluchten des Yangtze gehören neben dem Staudamm zu den größten   Attraktionen Chinas. Wenn ein größerer Abschnitt auf dem Fluss zu   absolvieren ist - immerhin ist die Strecke, die wir mit dem Schiff   auf dem Yangtze fahren, mehr als 600 km lang - , gibt es auf dem   Schiff ein Unterhaltungsprogramm wie auf den großen   Kreuzfahrtschiffen. Ich entscheide mich für einen Kursus in   chinesischer Medizin. Der Schiffarzt, ein gewiefter chinesischer   Akupunkturfreak, erklärte mir aber, dass es ziemliche Unterschiede   in der traditionellen Medizin gäbe und wollte sich darauf nicht   einlassen.
Immerhin zeigte er mir meine neuralgischen Punkte (kannte meine Frau   allerdings auch schon vorher) und erklärte mir, wo ich drücken   müsste, um meine Kopfschmerzen oder meinen Schnupfen loszuwerden.   Mehrere Passagiere auf dem Schiff stellten sich als Versuchspersonen   zur Verfügung und wurden mit vielen Injektionsnadeln gespickt oder   mit Gläsern geschröpft, aus denen vorher mit einer Gasflamme die   Luft herausgesaugt wurde. Ich traute mich nicht - hatte allerdings   auch keine Halsschmerzen, keine Herzschmerzen, keinen Schnupfen und   keine Rückenschmerzen. Unterwegs begegnen uns auf dem breiten   lehmfarbigen Strom viele unterschiedliche Schiffe:
Der Drei-Schluchten   Staudamm
Am Nachmittag starten   wir mit dem Bus zur Besichtigung des größten Staudamms der Welt. Er   ist 180 m hoch und 2,4 km lang.  Den Staudamm selbst darf man   nicht betreten. Wir müssen alle durch die Sicherheitskontrolle wie   am Flughafen, bevor wir in das Besucherzentrum und zum   Aussichtspunkt hinauf dürfen. Man hat einen Freizeitpark mit   Geschäften Souvenirshops und Erinnerungstafeln geschaffen. Es ist   ein gewaltiges Bauwerk, als wir oben auf der Krone stehen.   Glücklicherweise kommt die Sonne heraus, sodass die Sicht etwas   besser wird.

Blick vom Aussichtspunkt auf den Staudamm
 
Die Schleusenanlage am Drei-Schluchten-Staudamm
Oben im Ausstellungsraum ist ein Modell, mit Hilfe dessen wir überhaupt erst einmal die ganze Dimension des Projektes erfassen. 15 Jahre lang haben mehr als 20 000 Arbeiter daran gebaut. Es war die größte Baustelle der Welt.
Mit dem Bus fahren wir zurück zu unserem Schiff  Um 18:30 Uhr legen wir ab und starten mit der untergehenden Sonne zur Schleusendurchfahrt.

Langsam schiebt sich das Drachenboot an uns vorbei, denn es muss vor uns in die Schleuse einfahren. Im Video kann man sehen, wie bedrohlich es aussieht:
Mindestens genauso beeindruckend wie der Staudamm mit seinen 26 Turbinen von Siemens, die 6,8 Gigawatt liefern, ist die riesige Schleusenanlage, in die wir 3 Stunden später hineinmanövriert werden. Die Schiffe, die sich darin befinden (2 Kreuzfahrtschiffe und 2 Frachter) werden in 5 Schleusenstufen jeweils 37m = 185m hoch gehoben. Das Drachenschiff fährt vor uns in die Schleuse, ein Frachter hinterher und schließlich noch ein Lastkahn mit Sand und Förderband. Es ist ein millimetergenaues, faszinierendes Schauspiel, das wir miterleben. Drei Stunden dauert es, bis das Schiff die 5 Schleusen durchlaufen hat. Wie hoch die Wände sind und wie groß die Schleusenkammern sind, kann man ermessen, wenn man das chinesische Drachenschiff vor uns sieht und einen Frachter daneben. Unser Kreuzfahrtschiff, das schließlich auch 127m lang und 17m breit ist, folgt hinterher und daneben schiebt sich auch noch ein weiterer Frachter.  Hier ein Video davon:
Während dieser Zeit  findet der Willkommenscocktail des   Kapitäns statt. Die Mannschaft stellt sich vor (eine deutsche   Managerassistentin ist auch dabei) und es wird roter chinesischer   Sekt aus Magnumflaschen ausgeschenkt. Dazu werden Cannapees gereicht   und anschließend gibt es ein Buffet, an dem nichts auszusetzen ist.   Wir trinken eine Flasche Santa Carolina Chardonnay dazu und   bekommen eine ganz lockere Stimmung, die sich noch verbessert, als   wir alle mit Papierklatschen ausgerüstet werden und zur Show der   Besatzung auf Deck 5 applaudieren.

Es wird ganz lustig in   der deutsch-österreichischen Ecke. Um 22:00 Uhr verschwinden wir mit   angenehmer Bettschwere in unsere Kabine, während das Schiff immer   noch mit relativ hoher Geschwindigkeit stromaufwärts fährt. Von der   Brücke aus wird immer wieder das Ufer mit einem Scheinwerfer   angeleuchtet.
Montag,   17.10.
Die drei kleinen   Schluchten
Es scheint ein schöner Tag zu werden. Die Sonne kommt gerade   durch durch die nebligen Berge hindurch und erhellt langsam die   steilen Felswände an den Seiten des Yangtze-Flusses. Es ist die 44   km lange Hexenschlucht, durch die wir jetzt fahren.

Überall sind über den Yangtze neue Brücken gebaut worden und wir kommen aus dem Staunen nicht heraus, was wir links und rechts des Flusses an Neubauten, Autobahnbrücken und Infrastruktur entdecken. China ist viel weiter, als wir uns das vorstellen können. Die drei kleinen   Schluchten sind eine der großen Attraktionen auf dem Yangtze. Die   großen Schluchten sind nämlich gar nicht mehr so tief, nachdem der   Stausee den Wasserspiegel in den Schluchten um 40-100 m angehoben   hat. Auf der Karte ist die Hexenschlucht (Wu-Gorge) zwischen den   blauen Punkten Badong und Wushan zu sehen.

Wir legen in der neu erbauten Stadt Wushan an und steigen   dort um in kleinere Boote, um die Daning-Schlucht   hinaufzufahren. Der kleine reißende Nebenfluss ist natürlich durch   den Staudamm auch so hoch angestiegen und ist quasi ein kleiner   Stausee, aber die Landschaft mit den links und rechts aufsteigenden   Felsen ist immer noch sehenswert.

Nach 20 km Fahrt können   die großen Boote nicht mehr weiter und wir steigen in kleine Boote   um.

Fahrt über den Daning River

Kleine Boote auf dem Daning River
Das ist eine sehr   gemütliche Fahrt, bei der wir in den engen Schluchten jetzt an   vielen Höhlen vorbei kommen, die aus der Zeit der Ba-Kultur stammen.   Die Ba-Völker lebten bis zum 3. Jhdt. v. Chr. hier und wurden von   den Chinesen in das Kaiserreich integriert. Die spektakulären Funde   in der Schlucht aus den letzten Jahrzehnten lassen darauf schließen,   dass die Ba ihre Toten hoch oben in den Fels geschlagenen Löchern   begraben haben. Bis heute ist nicht ganz geklärt, wie sie das   geschafft haben, aber viele hölzerne Särge mit Grabbeigaben und   Inschriften an den Ufern belegen eine ausgefeilte   Beerdigungstechnik.
Dieses Gebiet ist inzwischen zum Nationalpark erklärt worden.    Hier ein Video davon:
Der   Chinese, der das Boot fährt, singt ein chinesisches Liebeslied, denn   die Chinesen in dieser Gegend werben ihre Mädchen zum Zweck der   Hochzeit mit Liedern an. Die Mädchen erwidern diese Gesänge   ebenfalls mit Liedern und müssen dann noch zwei Jahre bis zur   Hochzeit warten. Erst wenn sich eine Schwangerschaft bei ihnen zeigt   und nachgewiesen ist, dass sie fruchtbar sind, erlauben die   Schwiegermütter die Heirat.
Am   Nachmittag legen wir in Baidicheng an, wo sich eine   Gedenktempelanlage mit dem "Haus des weißen Kaisers" befindet. Wir   verzichten auf den Ausflug zu der kleinen Museumsinsel und legen uns   stattdessen auf das Sonnendeck, denn es ist schön warm, obwohl es   ziemlich diesig ist.
In der Nacht fährt das Schiff weiter stromaufwärts; um 24:00 Uhr ist   es in Yungyang, in Wanzhou um 3:00 Uhr morgens und in Zhongxian um   6:00 Uhr.
Dienstag, 18.10.
Fengdu
Um 9:00   Uhr taucht aus dem Nebel die neu erbaute Stadt Fengdu   auf (Bild: Fengdu). Die alte Stadt ist komplett im Wasser des   Staudamms versunken und man hat jedem der 80 000 Einwohner eine neue   Wohnung bzw. ein kleines Stück Land als Ausgleichszahlung   versprochen. Viele haben die Wohnung allerdings gegen Geld   eingetauscht und sind fortgezogen. Die Wohnungen sind nach   chinesischen Vorstellungen alle großzügig (50-80m²) und die   Wohnhäuser normal hoch (etwa 30 Stockwerke). Bis zu dieser Höhe   werden sie auch nicht als Hochhäuser oder Wolkenkratzer bezeichnet.

Als wir vom Schiff an Land gehen, tanzen die Rentner wie überall am   Morgen in den chinesischen Städten auf freien Plätzen und in den   Parks. Dazu läuft Musik aus öffentlichen Lautsprechern.

Tanz als Frühsport auf der Hafenpromenade von Fendu
Die Stadt hat inzwischen 190 000 Einwohner und gilt als Kleinstadt   auf dem Lande. Sie ist allerdings mit der modernsten Elektronik   ausgestattet, die man sich denken kann. Das bedeutet, dass man   überall Videokameras an den Straßen und Plätzen installiert hat, die   alles überwachen. Auf der Landstraße beobachten wir Polizisten, die   gemütlich unter einem Baum sitzen und auf ihren Laptops die Autos   verfolgen, die von den Kameras aufgenommen werden.
Unser   eigentliches Ziel an diesem Morgen ist der Besuch der   "Schneejadehöhle", einer Tropfsteinhöhle in der Schlucht außerhalb   der Stadt.

Feng Wei erklärt an der Eingangstafel der Schneejadehöhle die Besonderheiten
Sie wird als schönste Höhle Chinas bezeichnet (steht auf dem Schild draußen), weil sie so weiße Stalaktiten und Stalagmiten aufweist. Wer aber die Tropfsteinhöhlen in Attendorn, Wiehl oder die Carlsbad Caverns gesehen hat, für den ist die Höhle kümmerlich.

In der Schneejadehöhle
Nachmittags legt das Schiff wieder ab, um die letzten 180 km bis nach   Chongqing zurückzulegen. Unterwegs stellen wir an den   Schiffswerften, Autobahnbrücken und Industriekomplexen am Ufer des   Yangtze wieder fest, mit welcher Geschwindigkeit China Weltmacht   wird.

Abends gibt es einen Abschiedsabend des Kapitäns mit viel rotem   chinesischen Sekt und einer Talentshow, bei der jede Gruppe sich   präsentieren soll. Wir singen zusammen "Es gibt kein Bier auf   Hawaii" und erhalten mäßigen Applaus, während die Kanadier viel   Zustimmung ernten. Aber Feng Wei, unser Reiseleiter ist zufrieden.   Wahrscheinlich wird er daran gemessen, ob es ihm gelingt, seine   Reisegruppe zum Singen zu bewegen.

Feng Wei gibt die Anweisungen für unseren Auftritt bei der   Talentshow
Anschließend ärgern wir uns, weil wir morgen früh um sieben die   gepackten Koffer vor die Tür stellen sollen. Wir checken um 23:00   Uhr aus und unser Schiff fährt weiter durch die chinesische Nacht,   die gar nicht mehr so dunkel ist, denn links und rechts am Ufer   tauchen immer wieder neu geschaffene Städte mit den erleuchteten   Industriekomplexen auf, bei denen bläuliche Blitze die   Schweißarbeiten der nimmermüden chinesischen Arbeiter zeigen.
Inzwischen habe ich auch schon viele Wörter chinesisch gelernt. Es   ist gar nicht so einfach:
見親人!
Das heißt auf deutsch: Tschüss.
Die Aussprache fällt mir immer noch schwer. Ich habe das aber jetzt   mit einer Chinesin mehrmals geübt :
dsaidschjén
Es muss auch irgendwie richtig sein, wenn ich das sage, denn   anschließend wedeln alle Chinesen mit den Händen und lächeln. Ich   finde, das ist schon ein gewisser Erfolg. Ich bin ganz stolz darauf.
Mittwoch, 19.10.
Chongqing
Im Morgennebel taucht die Silhuette von Chongqing auf. Die Sicht ist schlecht, aber wir ahnen, welche Wolkenkratzer in dieser Millionenstadt stehen.

Nach und nach werden die Konturen schärfer, als wir uns der Anlegestelle nähern:

Die Ausschiffung in   Chongqing geht ziemlich hektisch vor sich. Um 6:45 Uhr frühstücken   und um 8:00 Abfahrt mit dem Bus von der Anlegestelle. Die Koffer   werden von den chinesischen Kofferträgern die Treppe hoch geschleppt   und in den Bus verladen. In unseren Augen ist die Transportweise mit   den Stangen auf den Schultern ziemlich ungewöhnlich. Es erinnert uns   an das Joch der Ochsen, die im Mittelalter den Pflug der Bauern   ziehen mussten:

   Die Koffer werden vom Schiff in den Bus verladen.
Schade, dass es regnet   und man kaum etwas sehen kann. Immerhin sind es aber 19° C, als wir   an der Uferpromenade aussteigen und ein chinesisches Hotel aus alter   Zeit betrachten.

Das Riverside Hotel in   Chongqing
Es ist eines der   letzten Überbleibsel von früher, denn es wird fast alles abgerissen   und durch moderne Wohnburgen ersetzt. Die Chinesen betonen immer   wieder, dass es im Gegensatz zu Indien keine Slums gibt, und sie   reißen in der Tat erbarmungslos ganze Stadtteile ab und bauen neue   Hochhäuser. Es ist einfach furchtbar, aber wo sollen die Chinesen   auch hin mit ihren Menschenmassen? Feng erklärt uns, dass Chongqing   mit 32 Millionen Einwohnern die größte Stadt der Welt ist. Sie sei   so groß wie ganz Österreich. Shanghai hätte nur 22 Millionen. Im   Nachhinein erkennen wir aber, dass diese Angaben zu dem typischen   chinesischen Größenwahn gehören. Sie müssen nämlich alles haben: die   schönste Höhle, die ältesten Behausungen der Menschheit, die   höchsten Gebäude der Welt, den höchsten Staudamm - demnächst die   größten Schiffe, Flugzeuge, Autos oder auch Städte. So auch diese   Stadt. In Wirklichkeit aber haben sie einfach die Region Chongqing   zum Stadtgebiet erklärt, wie wir in Nordrhein-Westfalen das   Ruhrgebiet zur Stadt erklären würden. Dann wäre nämlich auch die   Stadt Ruhrgebiet plötzlich größer als Berlin und die größte Stadt   Deutschlands.
Wir erfahren von dem örtlichen Reiseführer viel über die neuen   Beziehungen zu Taiwan und dass die Chinesen jetzt dorthin fahren   dürfen. Es scheint sich eine Annäherung anzubahnen. Leider fängt es   an stark zu regnen und wir sehen nicht mehr viel von der Stadt. So   ist das auch bei der Fahrt auf den Hügel, von dem man einen guten   Überblick hätte.

Uns bleibt nur noch der   Besuch in einem Teehaus, wo man uns zeigt, wie man in China richtig   Grünen Tee, Jasmin Tee, Ginseng-Ulong und Schwarzen Tee richtig   aufschüttet.
Interessant ist die Teezeremonie, an der wir anschließend   teilnehmen. (Natürlich haben die Chinesen auch den besten Tee). Wir   lernen, wie Tee richtig aufgegossen, eingeschenkt und getrunken   wird. Die Chinesen gießen den Jasmintee bis zu sechsmal auf und die   anderen Teesorten bis zu viermal. So schmeckt er dann allerdings   auch. Die Teesorten sollen unterschiedliche Heilwirkungen für die   verschiedenen Körperteile haben, aber man muss daran glauben. Hier   hat alles Heilwirkung: Ingwer, Ginseng, Tigerpenis, Perlenketten,   Jadesteine, Schlangenschnaps und vieles andere. Ich frage mich,   warum die Chinesen nicht alle 100 Jahre alt werden, wenn alles so   heilsam ist. Dann brauchten doch auch nicht alle mit 55 Jahren in   Pension gehen (Frauen dürfen schon mit 50 in Pension gehen). Das   frage ich Feng Wei, unseren Reiseleiter auch, aber der zuckt nur mit   den Schultern - eine Antwort hat er auch nicht.
Schade, dass es regnet.   Wir hätten gern mehr von der Stadt gesehen, aber so fahren wir zum   Flughafen, der sehr neu und aus Modernste eingerichtet ist. Das   Gepäck ist schon eingecheckt.
Flug nach Guilin
Das   Einchecken geht schnell und wir fliegen mit Xiamen Airlines (kannte   ich vorher nicht, hat aber über 100 Maschinen Boeing 737 und 757)   pünktlich ab und bekommen während des einstündigen Fluges auch noch   etwas zu essen.
Große Überraschung beim Aussteigen in Guilin: Es ist 30°C   warm und dazu ein blauer Himmel.
Aber ziemlich feucht ist es schon. Inzwischen weiß ich, warum die   chinesischen Maler alle Bilder mit einem Schleier versehen. Klare   Sicht hat man nämlich nirgendwo in China, man sieht irgendwie alles   in der Ferne wie durch eine Milchglasscheibe. Dennoch freuen wir uns   in Südchina in einer Stadt mit grünen Hügeln und wenigen Hochhäusern   zu sein, zumal Guilin ein gemütliches Örtchen mit nur 500 000   Einwohnern ist. Da es viel zu früh zum Einchecken im Hotel ist,   machen wir eine Stadtrundfahrt und besichtigen den Fubo Shan,   das ist ein steiler Karstkegel mitten in der Stadt mit einem schönen   Aussichtspunkt oben auf der Spitze. Den erklimmen wir mit 323 Stufen   und sind ganz schön geschafft, als wir oben ankommen. Die Hitze und   Feuchtigkeit sind wir einfach nicht mehr gewohnt. Der Blick über den   Li-Fluss und die Stadt ist aber ganz schön.

Fubo Shan - ein   Karstfelsen in der Stadt Guilin
Übrigens ist Guilin hier unten im Süden Chinas ganz berühmt wegen   seiner Spezialitäten. Es ist ja auch nur 400 km weg von Kanton, dem   Mekka der chinesischen Küche. Man isst hier Waschbären, Schlangen   und Eidechsen. Hunde sind allerdings sehr teuer, sodass wir darauf   verzichten. Feng erklärt uns auch, dass diese Gerichte nicht   alltäglich sind, sondern es gibt sie nur in bestimmten Restaurants.   Der Durchschnittschinese würde sich das auch nur an Feiertagen   leisten. In den normalen Restaurants würde man sich mit Krähenfüßen   und dem Feuertopf begnügen. Das könnten wir, wenn wir wollten, ja   mal probieren. Uns vergeht jedoch bei der Ankündigung schon der   Appetit.

Blick über die Stadt   Guilin vom Fubo Shan aus
Guilin gefällt uns   sehr, weil die Umgebung so grün ist und die hohen Wolkenkratzer   fehlen, die wir bisher in allen chinesischen Städten gesehen haben.

Guilin
Danach fahren wir zur   Rohrflötenhöhle und wandern kilometerlang durch die langen Gänge der   Tropfsteinhöhle, deren Gewölbe überall farbig beleuchtet ist. Die   Chinesen haben viel übrig für farbige Beleuchtung und Lichtspiele   aller Art.

Vorbereitung zur Geburtstagsfeier in der Rohrflötenhöhle
Außerhalb der Höhle   werden wir zum ersten Mal von einem Heer von Verkäufern bedrängt,   die Postkarten, Bambusflöten, Rolex-Uhren und allerlei Krimskrams an   den Mann bringen wollen. Sie sind sehr hartnäckig, aber nicht   aufdringlich. Man muss schwer handeln, um zu seinem Ziel zu kommen.   Hier erfahren wir auch, dass die Preise in China grundsätzlich nur   Verhandlungssache sind. Sogar die offiziell angeschlagenen   Hotelpreise sind nur Richtpreise, die man mit Verhandlungen   korrigieren muss. Das ist wichtig zu wissen.
Also kaufe ich auch Postkarten, eine CD und einen wundervollen   Bildband über Guilin und Li-Fluss. Vorher sollte alles zusammen 400   Yuan kosten, nach dem Handeln habe ich alles zusammen für 20 Yuan   bekommen (= 2 Euro). Mir ist unverständlich, wie die Chinesen alles   so billig produzieren können, denn allein das Papier von dem   Bildband ist hochwer
tiges Kunstdruckpapier. Der Stapel Postkarten auch. Nachmittags   steigen wir im Sheraton Hotel an der Uferpromenade des Li-Flusses   ab. Es ist ein Spitzenhotel, liegt direkt an der Fußgängerzone und   hat ein fantastisches 20 m langes Buffet für 198 Yuan (=20 €) mit   allen erdenklichen Leckereien bis zum gegrillten Hummer.

Zu früh gefreut! Wir   werden als Gruppe zum Abendessen in einen separaten Raum mit den   üblichen runden Tischen und Drehtellern geführt, wo es ein sehr   mittelmäßiges chinesisches Abendessen gibt. Über das kühle   TsinTao-Bier freuen wir uns aber.
Donnerstag, 20. 10.
Fahrt über den Li-Fluss
Das frühe Aufstehen   gefällt uns gar nicht, denn wir haben keine Zeit, das gute   Frühstücksbuffet im Sheraton auszuprobieren. Um halb neun sitzen wir   schon im Bus und fahren zur Anlegestelle Mopan Hill Wharf.
Hier trifft uns erst einmal das Entsetzen, denn wir sehen mehr als fünfzig Boote vor Anker liegen, von denen jedes mit etwa 100 bis 200 Touristen beladen wird.

Die meisten Touristen sind allerdings Chinesen. Das Mittagessen ist bei der vierstündigen Tour flussabwärts inbegriffen, aber ein Blick in die Schiffsküchen am Heck der Boote reicht uns schon, um bereits jetzt voll gesättigt zu sein...

Boote an der Anlegestelle auf dem Li-Fluss mit Küche im Heck
Als das Boot ablegt, sind wir entsetzt über den Massenbetrieb: Alle Boote starten mit einem Abstand von 50m hintereinander und wir fragen uns, wie die angekündigte romantische Fahrt auf dem Li-Fluss aussehen soll. Vor uns sind 30 Boote, hinter uns 30 Boote. Das bedeutet, es sind jetzt mindestens 10 000 Leute unterwegs. Hier ein kurzes Video:
Die Landschaft ist allerdings einmalig. Die Karstberge im Hintergrund ergeben zusammen mit dem aufsteigenden feuchten Nebel eine malerische Kulisse, die viele chinesische Maler zur Darstellung der Landschaft angeregt haben mag. Alles ist wieder ziemlich dunstig und wirkt nachdenklich, sogar melancholisch und traurig.
Die Geschäftstüchtigkeit der Chinesen zeigt sich sofort nach Abfahrt der Schiffe, denn sofort kommen Obstverkäufer mit ihren Booten aus Bambus oder Plastikrohren an das Boot, haken sich ein und versuchen, ihre Früchte loszuwerden. Dazu ein kleines Video:
Nach zwei Stunden Fahrt wird es immer schöner, weil die Berge näher heranrücken und die Sonne herauskommt, die alles in ein etwas romantischeres Licht rückt. Außerdem hat sich die lange Reihe der Boote etwas gelockert.

Wir fotografieren viel vom Oberdeck aus; Fischer, Verkäufer mit Bambusbooten, Muschelsammler, Wasserbüffel und viele Enten sind zu beobachten.  

Die Boote tuckern gemächlich dahin, vorbei an wunderschönen Flusslandschaften zwischen den Kalksteinbergen und umringt von vielen winzigen Fischerbooten aus Bambusstämmen oder Plastikrohren mit 2 Bänken und Motor. Hier noch eine kleine Fotostrecke mit Bildern von den Menschen der Landschaft:
Schade ist natürlich   immer noch der der Grauschleier, der über der gesamten Landschaft   liegt. Zum Fotografieren müssten man einem Tag ohne Dunst hier sein   und eine tolle Kamera zur Verfügung haben.

Schließlich kommen wir zu der Stelle,   die auch auf dem 20 Yuan-Geldschein abgedruckt ist:

Am meisten beeindruckt   uns aber die Menge der Menschen, die hier mit den flachen Booten   über den Fluss transportiert werden. Der Li-Fluss hat um diese Zeit   gerade noch so viel Wasser, dass eine schmale Fahrrinne befahren   werden kann. Heute fährt das Schiff eine Strecke von etwa 60 km auf   dem Fluss, in der Trockenzeit kann es manchmal nur eine Strecke von   10 km fahren.
Nach mehr als vier   Stunden gelangen wir zur Anlegestelle in   Yangshuo, wo richtig viel los ist und die Touristen die   Hauptstraße voll in Beschlag nehmen. Dazu kommen jetzt mindestens   5000 zusätzliche Touristen, die gerade aus den Booten ausgestiegen   sind und durch die West-Road mit vielen Souvenirläden und   Restaurants flanieren.

   Souvenirläden in dem Ausflugsort   Yangshuo
Der Ort mit etwa 40 000 Einwohnern   wird an diesem Tag (wie wahrscheinlich an allen anderen Tagen auch )   von Touristen überschwemmt, die den Li-Fluss hinuntergefahren sind   oder auch irgendwelche Wandertouren hier machen. Es gibt nämlich   viele Anbieter dazu hier. Auch die Hauptstraße ist voll von   Touristen:

Die Stadt gehört zu einem autonomen Gebiet Guangxi der Zhuang   Nationalität. Das ist ein Tai-Volk mit eigener Sprache, das in die   chinesische Volksrepublik einverleibt worden ist.

Obstverkäufer auf der Hauptstraße
Man merkt diesen Südchinesen an, dass   es sehr fleißige Bauen und Fischer sind, die in einfachen   Verhältnissen leben. Wolkenkratzer gibt es hier keine, dafür aber   alles Steinhäuser und keine Wellblechhütten. Große Autos sehen wir   keine, sondern viele kleine Tuktuks und umgebaute Motorfahrzeuge.   Alles ist darauf abgestimmt, sich mit einfachen Mitteln die Arbeit   zu erleichtern.
Interessant ist dann die   Fahrt mit einem Tuktuk aufs Land. Schon wenige Kilometer von   Yangshuo sind sämtliche Touristen verschwunden und damit auch alle   Menschenmengen. Alles geht gemächlicher zu und die Wahrheit des   echten Chinas kommt näher. China besteht nämlich  nicht nur aus   Hochhäusern und neu erbauten Autobahnbrücken, sondern auf dem Land   ist das alte China erhalten geblieben.
Der Verkehr ist   verschwunden und die guten Straßen sind es auch. Über alte   Asphaltstrecken mit vielen Schlaglöchern und staubige Feldwege geht   es in ein Dorf.  Hier einige Eindrücke davon:
Hier auf dem Land und in den Dörfern ist noch alles so wie vor hundert Jahren. Eine chinesische Familie ist schwer bei der Arbeit: Vater und Mutter stopfen die abgeschnittenen und getrockneten Reisbündel in die tuckernde Mini-Dreschmaschine, während die Tochter laufend die Reiskörner aus dem Auffangbehälter in kleine Säckchen abfüllt. Da sich alle dauernd bücken müssen, ist das eine ganz schöne Belastung für den Rücken. Das kann man aus dem Video entnehmen:
Ein Stück weiter beschäftigt sich ein Bauer mit seiner Erdnussplantage. Die Felder sind alle ziemlich klein, weil die Bauern pro Familienmitglied in der Mao-Zeit eine Fläche von 800 m² zur Bearbeitung zugeteilt bekommen haben. Kein Wunder, dass die Chinesen so viele Kinder haben wollten. Alle Felder werden bewässert. Hier um Guilin ist eine Provinz, die sich autonome Zhuang Region nennt. Das ist eine 18 Millionen zählende Minderheit, die gewisse Vorrechte besitzt. Die Mitglieder dürfen z.B. 2 Kinder haben (wenn es Mädchen sind, auch mehr, bis ein Sohn geboren wird) und brauchen zum Studium auch nicht einen so hohen Numerus Clausus zu besitzen.
Für die Kinder, die gerade aus der Dorfschule kommen, sind wir eine Attraktion. Alle rennen laut rufend hinter unserem Tuktuk her. Die Häuser sind im Übrigen alle aus Stein, man sieht keine Wellblechhütten wie in Afrika oder Indien. Wenn man aber in ein solches Haus hineinschaut, glaubt man sich ins Mittelalter versetzt. Es gibt nur eine Tür und kein Fenster, fließendes Wasser natürlich auch nicht und Abwasch aus dem Küchenteil und der Toilette fließt durch ein schräges Loch nach draußen in eine Rinne und wird dort in den Straßengraben geleitet und fortgespült. Das freut natürlich den Wasserbüffel, den es immer wieder in den Straßengraben zieht, weil es dort etwas Leckeres zu naschen gibt. Die Chinesen selbst haben auf dem Land immer ein Haus, weil es Mietwohnungen nicht gibt. Jeder, der heiratet, baut entweder ein Haus oder kauft sich eins. Die Grundstücke gehören nicht zu den Häusern, sondern der Grund und Boden verbleibt im Eigentum des Staates; er wird immer wieder in Leihpacht vergeben.
Aber was Feng Wei, unser Führer, uns immer wieder erzählt, scheint zu stimmen: Die Chinesen sind zwar arm, aber es gibt keine Slums. Alles ist sehr sauber und geputzt. Das fällt uns übrigens selbst in den ärmlichsten Gassen auf. Im Gegensatz zu Indien liegt hier kein Dreck und Abfall auf den Straßen.
Was uns natürlich auch auffällt, ist das Bedürfnis der Chinesen, das schönste Obst und frischeste Gemüse zum Verkauf anzubieten. Das bedingt natürlich auch kräftiges Spritzen, denn Bio-Anbau will hier keiner. Gut für die deutsche chemische Industrie, die hier eigene Werke für Düngemittel und Insektizide besitzt. Wahrscheinlich kann man hier noch alle Restbestände loswerden, die man in Europa nicht mehr verwenden darf. Aber man weiß es nicht - man müsste den Behälter des Bauern untersuchen.
Wir fahren noch bis zum Sonnenuntergang durch die schöne Landschaft und freuen uns, dass wir bei der holprigen Spazierfahrt etwas anderes sehen als Menschenmassen und Hochhäuser. Wir erfahren viel darüber, wie die Leute heute hier leben und wie sie früher gelebt haben. Alles ist sehr instruktiv - aber es dauert auch sehr lange, denn wir sind erst nach 19:00 Uhr wieder zurück in unserem Hotel in Guilin.
Das Abendessen findet wieder im Cathay Restaurant an den üblichen Zehnertischen statt. Innerlich hatten wir gehofft, dass wir an dem schönen Büffet für 198 yuan teilnehmen könnten, aber dazu konnte sich Meiers Weltreisen wohl doch nicht durchringen.
Nach dem Abendessen spazieren wir noch bei angenehmen Temperaturen am Ufer des Li-Flusses entlang und durch den Stadtpark von Guilin. Eine schöne Stadt - schade, dass wir nicht länger hier sind.

Beleuchtete Sonnen- und Mondpagode am Abend im Stadtzentrum von Guilin
Freitag, 21.10.
Wir brauchen fast eine Stunde von unserem Hotel bis zum Flughafen und checken bei den Gruppen ein. Um das Gepäck brauchen wir uns nicht zu kümmern und um das Gewicht auch nicht. Das finden wir sehr positiv. Aber allein auf dem Flughafen hätten wir schon Schwierigkeiten uns zurechtzufinden, denn alle Ankündigungstafeln sind in chinesisch.

Flughafen in Guilin
Mit China Southern sind wir pünktlich um 10:30 Uhr gestartet und landen nach 1 1/2 Stunden auf dem riesigen Flughafen von Xi´an. Der Name wird übrigens "Chian" ausgesprochen. Durch die Umschreibung der chinesischen Schriftzeichen wird ein "x" immer wie ein "ch" ausgesprochen. Allerdings ist die Aussprache auch immer durch den landschaftlichen Dialekt geprägt. Meist wird das "X" wie ein Zwischenlauf zwischen "ch" und "x" ausgesprochen.
Xi´an
Die Stadt liegt am Gelben Fluss im Norden von China und hat 9 Millionen Einwohner. Aber für uns als Domestic-Flieger geht alles reibungslos vonstatten. Draußen wartet eine Reiseleiterin mit unaussprechlichem Namen auf uns. Sie ist jung, aus Xi´an und sagt, wir sollen sie einfach "Steinchen" nennen.
Zuerst fährt sie mit uns zur Stadtmauer, die 14 km lang ist und das alte Stadtzentrum umgibt. Schließlich war Xi´an vom 11. Jahrhundert vor Christus bis zum 9. Jahrhundert nach Christus die Hauptstadt Chinas und das Zentrum der Welt. Nur Bagdad war zur damaligen Zeit so groß und bekannt. Die Stadt hieß damals Chang´an und ist auch der Ursprung für den Namen "China". Die Geschichtsforschung ist sich nämlich darin einig, dass das erste chinesische Großreich beim heutigen Xianyang in der Nähe von Xi´an seinen Anfang nahm und durch Latinisierung zu "Sina" wurde, wie es heute noch in dem Wort "Apfelsine" oder besser noch im holländischen "sinaasappel" vorkommt. Hier begreift man erst, dass die Apfelsinen, Kiwis, Erdbeeren, Grapefruits und viele andere Früchte von hier stammen.

Die Stadtmauer ist 14 km lang und enorm breit. Oben auf der Krone könnte man eine Autobahn bauen.

Blick von der Stadtmauer auf die Altstadt von Xi´an
Leider ist das Wetter miserabel und man kann wegen des Smogs nicht weit sehen. Diesmal ist es nicht nur diesig, sondern dauernder Smog in dieser Millionenstadt, der hauptsächlich durch den Lössstaub aus der Mongolei zustande kommt. Die Sonne scheint zwar, sieht aber wie ein milchiger gelber Fleck im Nebel aus. Wir gehen auf der Stadtmauer spazieren und staunen nur wieder, wie der schöne Stadtkern durch die Wohnburgen im Hintergrund verwandelt wird. Schade - so kann man keine schönen Fotos machen, obwohl der Trommelturm oder der Glockenturm in der Innenstadt eine schöne Kulisse abgeben würde.

Der Glockenturm in der Innenstadt von X´ian
Die Stadt Xi´an ist wieder so ein Riesenmoloch, wie wir uns das gar nicht vorstellen können. Sie hat 43 Universitäten und über 400 000 Studenten; sie verkörpert das alte China, sagen die Chinesen, während Peking der derzeitige darstellt und Shanghai die Zukunft. Sie ist auch der Beginn der Seidenstraße.
Das Abendessen im Theater-Restaurant ist zum ersten Mal vernünftig. Es gibt zwar chinesisches Essen, aber in Buffetform mit schmackhaften Sachen, aus denen sich jeder etwas heraussuchen kann. Zum ersten Mal essen wir uns satt.
Danach ist es dunkel und wir machen einen Besuch in der Altstadt. Jetzt am Abend sieht alles sehr bunt und farbenfroh aus, weil es schön beleuchtet ist. Die Chinesen haben Spaß an bunter und heller Beleuchtung, sodass wenig dunkle Ecken für die Taschendiebe vorhanden sind. Es ist aber auch viel Polizei unterwegs.

Die Garküchen sind viel besser als im chinesischen Viertel von Bangkok, weil es hier nicht so stinkt, obwohl viele exotische Speisen zubereitet werden. Hier ein paar Bilder davon:
Viele   chinesische Touristen probieren den Granatapfelsaft und die auch für   sie fremdartigen Köstlichkeiten, die sie aus der Mongolei oder   anderen Gebieten nicht kennen. Uns   scheint alles nicht geheuer und wir sagen zu unserem Reiseleiter   Feng Wei, dass wir höchstens die Spieße über dem Grill probieren   würden. Darauf lacht er laut und erklärt, das wären die schlimmsten   Teile. Die würde er nur mit Tabletten essen. Erstaunt fragen wir   nach dem Grund, und er sagt, wir wüssten doch gar nicht wie und   woraus die hergestellt worden seien...
Die Preise bei den Garküchen sind erstaunlich hoch. Die Verkäufer   wissen, was sie den chinesischen Touristen abverlangen können, die   sich nie kleinlich zeigen, wenn es ums Essen geht.
Bei der abendlichen Lichterfahrt durch X´ian kommen wir an schön   beleuchteten Pagoden und Türmen vorbei. An der Stadtmauer steigen   wir noch einmal aus und schauen uns die beleuchtete Mauer an.

Auch die einzelnen   Türme mit den Durchgängen durch die Stadtmauer sind wunderschön   beleuchtet und angestrahlt. Natürlich ist es wichtig, dass die roten   Farben und die roten Laternen dominieren.

Xi´an  -  Stadttor am Abend
Auch die einzelnen   Türme mit den Durchgängen durch die Stadtmauer sind wunderschön   beleuchtet und angestrahlt. Natürlich ist es wichtig, dass die roten   Farben und die roten Laternen dominieren.
Die Hauptattraktion des   Abends ist allerdings der Themenpark. Das ist eine riesige Anlage im   Stil einer eigenen Weltausstellung, die ganz neu in den letzten   Jahren entstanden ist und in enormen Dimensionen alles enthält, was   man sich für Kultur und Freizeit vorstellen kann: Von Konzertsälen   über Sporthallen, Musiktheatern und Diskotheken ist alles dabei.

Die Denkmäler des   chinesischen Volkes sind natürlich auch monumental vertreten und   werden von 30 Meter hohen Säulen umrandet, die mit Musik und   Farbenspiel in vollendeter LED Technik erstrahlen und sich laufend   verändern. Hier ein Video davon:
Um 20:00 Uhr beginnen an den Springbrunnen die musikalischen Wasserspiele und wir sind völlig perplex, welche Ausmaße diese haben. Farbige Wasserfontänen schießen aus unzähligen Rohren auf einer Fläche von mehreren Fußballfeldern im Takte der Musik aus den Teichen. Vom Radetzkymarsch bis zu modernen Musicals reicht die Musik, die aus überdimensionalen Lautsprechern ertönt. Laserscheinwerfer fahren den Himmel ab und wir stehen mit 10000 anderen Chinesen um das Spektakel herum.

Wasserspiele im Themenpark in Xi´an
Leider ist für meine kleine Lumix-Kamera das Licht zu schwach, um ein Video zu drehen. Schade, denn das imposante Schauspiel wäre es schon wert. Da es genau um 21:00 Uhr zu Ende ist, verschwinden wir 5 Minuten vorher, um nicht in den Stau zu kommen. Wieder geht ein Abend mit starken Eindrücken zu Ende. Mal sehen, wie es morgen aussieht, dann wollen wir nämlich die berühmte Terrakotta-Armee besichtigen.
Samstag, 22.10.
Unser heutiges Besichtigungsprogramm beginnt mit nicht gerade schönem Wetter - es ist kühl und neblig - mit der großen Wildganspagode.
Die 60 m hohe Pagode selbst ist ein bedeutendes Heiligtum aus dem 8. Jhdt., vollgepackt mit buddhistischen Schriften und Bildern. Für uns ist sie aber nicht so interessant, weil wir wieder die vielen verschiedenen Buddhafiguren finden, wie wir sie aus Thailand und Indien kennen. Die Tempelanlage an sich ist ziemlich groß und wird von vielen Pilgern besucht. Wir lernen die chinesischen Tierkreiszeichen kennen; so weiß ich jetzt, dass ich "Ziege" bin, welche Eigenschaften ich habe und wie ein Chinese daraus mein Alter berechnet. Da meine Frau auch Ziege ist und so alt wie ich, kann ich sie getrost "alte Ziege" nennen, ohne dass sie mir böse sein kann.

Auf dem monumentalen Vorplatz fällt uns eine Schulklasse auf, die mit ihrer Lehrerin dort sitzt und heute am Samstagmorgen den Tempeleingang malen soll. Die Kleinen sind eifrig bei der Sache, aber viele interessieren sich mehr für uns als für ihre Aufgabe (wie das immer so ist).

Danach werden wir von Steinchen, unserer örtlichen Reiseleiterin, in eine Jadeschleiferei geschleppt, wie wir sie auch aus Thailand kennen. Wir lernen echte und unechte Jade voneinander zu unterscheiden und die unterschiedlichen Qualitäten einzuschätzen. Von den tollen Sachen, die hier angeboten werden, könnte man die Hälfte mit nach Hause nehmen, wenn man keine Platz- und Gewichtsprobleme hätte. Aber mit einem kleinen Bogenschützen von der Terrakotta - Armee müssen wir uns zufrieden geben.

Figuren aus der Terrakotta-Armee in einer Jadeschleiferei
Die Terrakotta - Armee
Anschließend fahren wir noch mehr als eine Stunde mit dem Bus nach Lintong, wo die ausgegrabene Terrakotta - Armee 1974 zufällig von einem Bauern entdeckt wurde. Das Gelände umfasst 58 km², allein das Königsgrab ist 8,5 km von hier entfernt.
Wir passieren im Gefolge unserer Reiseleiterin zwei Eingangskontrollen (alle Taschen müssen durch die Röntgenanlage) und staunen wieder über die riesigen Menschenmengen, die hier hinein wollen. 30 000 Besucher wollen mit uns in die erste Grube hinein. Die Menschenmengen sind einfach unfassbar. Hunderte von Reiseleitern halten an allen Ecken irgendwelche bunten Fähnchen an ausziehbaren Antennen hoch, damit sich die chinesischen und ausländischen Touristen nicht verlieren. Nach einer Weile gelingt uns in der ersten Halle ein Blick in die erste Grube mit den neun Marschreihen. Hier ein Video:
Die 230m lange und 62m   breite Halle ist mit einer Stahlkonstruktion wie bei einer   Bahnhofshalle überdacht. Links und rechts kann man die Besucher   vorbeigehen sehen. Schade, dass die Halle nicht besser beleuchtet   ist, denn dann könnte man die Infanteriesoldaten besser sehen. So   sind sie schwer zu fotografieren. Es gibt mehr als 7000   überlebensgroße Soldaten, die alle anders aussehen, wenn man sie   genau betrachtet. Uns wird auch der Unterschied der Frisuren, Zöpfe,   Mützen und Rangabzeichen erklärt. Aber man kann nicht alles   behalten.
Es ist bis heute nur ein   kleiner Teil der Figuren aus Ton freigelegt, die meisten sind in   früheren Zeiten zerstört worden. Immerhin sind viele Bronzewaffen   erhalten. Die Grabwächterarmee sollte eine echte Armee nachbilden   und das Grab des Kaisers Qin Shihuangdi schützen. Es sieht   jedenfalls alles sehr beeindruckend aus. Ich kann an dieser Stelle   nicht alles erklären, wer Interesse hat, sollte bei Wikipedia mal   nachlesen. In einer anderen Halle sind auch die Pferde mit   ausgegraben und es wird gezeigt, wie schwierig es ist, alles zu   restaurieren. Mit Hilfe von deutschen Archäologen ist es jetzt auch   wohl gelungen, die Farben teilweise zu rekonstruieren. Die Kleidung   war schließlich aus Stoff, der inzwischen verfallen ist sowie die   Geräte aus Holz, die die Jahrhunderte auch nicht überdauert haben. Hier ein paar Eindrücke aus unserem Besuch in den Hallen:
Einige Krieger, wie dieser Bogenschütze, sind komplett erhalten und   werden in besonderen Glaskästen geschützt ausgestellt. Man merkt   hier, dass das UNESCO-Weltkulturerbe eine Menge Geld hineingesteckt   hat. In einer anderen Halle sind die 90 Vierspänner ausgestellt;   wertvoll sind allerdings die zwei bronzenen Vierspänner, die in   einem angegliederten Museum ausgestellt sind. Es handelt sich um   eine gedeckte Kutsche und einen offenen Kriegswagen mit Schirm.
Wir kaufen als Souvenirs einige Krieger von Schwarzhändlern als   Souvenir, die den Bruchteil dessen kosten, was sie uns im Shop   abverlangen wollen. Hier sitzt auch der Bauer, der vor 37 Jahren das Feld entdeckt hat   und gibt Autogramme, wenn man einen Bildband kauft. Bei der Menge   der Leute, die hier jeden Tag bei ihm Schlange stehen, möchte ich   gern mit ihm tauschen. Er muss inzwischen Millionär sein.
Abends gibt es dann noch   eine weitere positive Seite von Xi´an. Feng Wei empfiehlt uns nämlich, an   einem Teigtaschen-Spezialitätenessen teilzunehmen, weil die   Teigtaschen einmalig in Xi´an seien. Anfangs sind wir skeptisch,   lassen uns dann aber überreden, weil ein Besuch in Xi´an ohne   Teigtaschenessen nutzlos sei. Und wir werden nicht enttäuscht. Er   führt uns in ein Spezialitätenrestaurant und wir bekommen 18 Gänge   mit verschiedenen Teigtaschen vorgesetzt.

Teigtaschen-Essen in Xi´an mit 18 Gängen
Alle Teigtaschen haben   andere Füllungen und andere Formen. Die auf dem Bild haben zum   Beispiel die Form einer Ente und sind mit Entenfleisch gefüllt. Die   Chinesen sind verspielt und geben sich viel Mühe mit den   Teigtaschen, die im Übrigen wesentlich besser schmecken als in der   Ukraine.

Gefüllte Teigtaschen in Form von kleinen Enten
So kosten wir der Reihe nach Teigtaschen mit Sauerkraut,   Nüssen, Schweinefleisch, Fisch, verschiedenen Gemüsen und zum   Schluss mit süßen Füllungen. In dem Preis von 120 yuan (= 12 €), die   wir für das Abendessen bezahlen, ist in unbegrenzten Mengen   Hans-Bier enthalten, das von einer deutschen Brauerei abstammt und   hier gebraut wird, was man auch auf dem Bild erkennen kann.
Außer Teigtaschen gibt es   natürlich noch viele andere Sachen, wie Frühlingsrollen, Salate und   Gemüse. Vor allem aber zur Verdauung den 58%igen Reisschnaps, der in   einer Kanne und in einer Form eines Terrakotta-Soldaten angeboten   wird. Er wird in kleine Porzellanbecher eingefüllt und mit dem Wort   乾杯 (= Prost) leert man die Becher auf einen Zug. Nachdem Inge   anschließend nach Luft schnappt, erklärt uns Feng Wei, dass das   chinesische Wort für "Prost" gaanbe-i ausgesprochen wird und   wörtlich übersetzt "Machen Sie das Glas trocken!" heißt. Die Flasche   reicht noch für einige Reisschnäpse, der eigentlich gar nicht so   schlecht schmeckt und Feng Wei führt uns die "chinesische   Wasserbombe" vor: Dazu füllt man einen Schnapsbecher mit dem 58%igen   Reisschnaps und versenkt ihn vorsichtig in einem Bierglas. Wenn man   das Bier dann trinkt, bekommt das schlappe 2,8%ige chinesische Bier   doch ein paar Prozente mehr und schmeckt richtig gut. Die Chinesen   wissen das zu schätzen. Ich glaube aber, das ist nichts anderes als   die deutsche "Steinpilz-Kur" in anderer Form: Ein Steinhäger - ein   Pils - ein Steinhäger - ein Pils ...
Fragt sich, wer was von wem gelernt hat. Schließlich waren es die   Deutschen, die im 19. Jahrhundert den Chinesen das Bierbrauen und   Biertrinken beigebracht haben, als Qingdao (Tsingtau) deutscher   Handelsstützpunkt in China war.
Jedenfalls bereuen wir das Teigtaschen-Essen nicht und sehen nach   dem Reisschnaps den nächsten Tag total locker, obwohl wir um 5:00   Uhr aufstehen müssen, weil unsere Maschine nach Beijing um 7:55 Uhr   abfliegen soll.
Sonntag, 23.10.
Peking (Beijing)
So früh aufstehen   macht keinen Spaß. Das ist der große Nachteil, wenn man mit einer   Gruppe reist. Alles nur Stress. Bereits um 5:30 Uhr ist der   Frühstücksraum voll und wir mussten gestern Abend bereits um 22:30   Uhr unsere Koffer vor die Tür stellen, weil die eingesammelt und   während der Nacht zum Flughafen gebracht wurden. Alles zusammen geht   in einem Container nach Peking. Die Stadt heißt Beijing und   ich weiß auch nicht, warum die Deutschen immer noch "Peking" sagen.
In strömendem Regen fahren wir zum Flughafen und können in dem Smog   kaum etwas sehen. Unsere Maschine der Hainan Airlines ist eine   737-800, die vollgepackt mit Chinesen ist. Wir kennen zwar Hainan,   weil wir ja im Anschluss auf unsere Rundreise auf diese Insel   fliegen wollen, aber die Hainan-Airlines natürlich nicht. Sie hat   126 Maschinen und ist eine 5-Sterne-Airline mit einem Status, den   nicht einmal die Lufthansa erreicht hat. Wir starten pünktlich und   landen 1 1/2 Stunden später bei genauso diesigem Wetter in Beijing.   Reiseführerin Liu holt uns ab und fährt mit uns erst einmal zum   Sommerpalast.
Beijing ist ganz anders als Xi´an, hier sind noch weniger Fahrräder   zu sehen und immer mehr Autos. Das gefällt uns weniger, es ist   allerdings die Hauptstadt Chinas mit 15 Millionen Einwohnern. Wir   erleben sie im Nieselregen und ungemütlicher Kälte.
So macht auch der Spaziergang zum Sommerpalast wenig Spaß.   Schon am Eingang stehen wieder Hunderte, wenn nicht Tausende von   Chinesen. Zum ersten Mal kommen die Schirmverkäuferinnen zu ihrem Geschäft. Inge kauft auch einen Knirps für einen Euro und hofft, dass er die Regentage durchhält. Es handelt sich um den Sommerpalast Yihe Yuan, den die Kaiserinwitwe Cixi 1888 anlegen ließ, um dort zusammen mit dem von ihr entmachteten Kaiser die Sommermonate zu verbringen. Zwei bronzene Löwen bewachen das Tor des Altwerdens durch Güte. Man darf allerdings nicht in die Räume, sondern muss alles von draußen bewundern. Hier einige Fotos von unserem Besuch:
Der See ist sehr schön,   die Anlage auch und das Marmorschiff, aber der Rest ist ziemlich   trist. Wir sind der Kaiserinwitwe allerdings dankbar, dass sie einen   kilometerlangen überdachten Wandelgang hat anlegen lassen, sodass   wir nicht nass werden. Vielleicht liegt es aber auch am Wetter, dass   wir alles so eintönig finden. Im Frühling oder Sommer bei anderen   Temperaturen und mit blühenden Blumen sieht alles vielleicht ganz   toll aus.
Witzig sind immer die Rolex-Verkäufer, die mit ihren gefälschten   Uhren hinter den Touristen herlaufen und uns auch verfolgen. Sobald   ich aber die Kamera zücke und ein Bild schieße, verschwinden sie. Im   Verlauf des Handelns werden die Uhren immer billiger, zuerst   kosteten sie 15 Euro, jetzt nur noch 5 Euro.
Erst am frühen Abend   kommen wir im Renaissance-Hotel an und bekommen gleich den richtigen   Eindruck von Beijing, wenn wir aus dem Fenster unseres Zimmers im 5.   Stock schauen. Alle Straßen sehen hier so aus.

   Blick aus dem Fenster des Renaissance Hotels in Beijing
Leider haben wir wieder   keine Zeit zum Ausruhen, da wir für den Abend im Roten Theater "The   Legends of Kungfu" gebucht haben. Die Show beginnt schon um   18:15 (natürlich mit mehr als 2000 Menschen im Zuschauerraum) und   ist fantastisch. Leider darf man nicht fotografieren und der   Security- man erwischt mich auch gleich beim ersten Versuch. Die   Kamera haben sie mir aber nicht abgenommen, sodass noch das erste   Bild vorhanden ist:
Kung-Fu Show im Roten Theater in Beijing
Schade, es sind nämlich tolle artistische und künstlerische Darstellungen zu sehen. Es handelt sich nicht um eine Kungfu-Kampf-Show, sondern um die Geschichte des kleinen Kungfu, der durch ständiges Bemühen nach Vervollkommnung schließlich seine eiserne innere Verfassung gewinnt. Das wird natürlich so dargestellt, dass er schließlich Backsteine mit der Hand durchschlägt bzw. Marmorblöcke auf seinem Kopf zertrümmert werden.
Dazu gibt es spektakuläre Szenen, bei denen er sich frei schwebend auf einer Speerspitze dreht. Alles sehr theatralisch, aber durchaus ernsthaft und echt zelebriert. Nicht nur wir, sondern alle Zuschauer sind stark beeindruckt und belohnen die Vorstellung mit frenetischem Beifall. Auch die Beleuchtungseffekte sind einmalig, für die haben die Chinesen eine besondere Fähigkeit entwickelt. Schauen Sie sich einmal das Intro von YouTube zu dieser Veranstaltung an. Die Qualität ist zwar nicht besonders gut, aber die 1 1/2 Minuten geben Ihnen einen Eindruck von der fantastischen Show.
Am Abend gibt es im   Restaurant des Hotels ein riesiges Büffet für 268 Yuan, das keine   Wünsche offen lässt. Beim Kurs vom Oktober 2011 sind das etwa 30   Euro. Neben allen Arten von Schnecken, Muscheln und Meerestieren   sind auch Krähenfüße und tausendjährige Eier darunter. Dazu Sushi in   allen Variationen, Salate, BBQ mit Fleisch und Fisch zum Aussuchen   und ein tolles Nachspeisenbuffet. Wir sind total begeistert.

Chinesisches Büffet im Renaissance Hotel Beijing
Wir sitzen nämlich an   einem 8er-Tisch zusammen und können uns endlich mal nach langer Zeit   etwas aussuchen, was nicht chinesisch ist, sondern dem europäischen   Geschmack entspricht.

Das tut uns richtig gut, zumal der Kellner   Probleme mit dem Abrechnen bekommt, denn wir wollen alle einzeln   bezahlen. Das ist in China nicht üblich. Dort übernimmt immer einer   die Rechnung. Dennoch schafft er es, 8 einzelne Kassenbons für das   Büffet auszudrucken, aber Wein, Bier und Wasser kann er nicht   auseinander dividieren, also sagt er einfach, das ginge alles auf   die Rechnung des Hauses und spart sich die Arbeit. Das gefällt uns   noch mehr, sodass wir den ersten Abend in Beijing sehr zufrieden   beschließen.
Montag,   24.10.
Beijing und die große chinesische Mauer
Das frühe Aufstehen   ist diesmal richtig ärgerlich. Man müsste mit den Reiseunternehmen   etwas vereinbaren, dass das Tagesprogramm anders gestaltet wird und   wenigstens so viel Zeit bleibt, dass man in Ruhe frühstücken kann.   Schon um kurz nach sechs sitzen wir an dem 50m (!) langen   Frühstücksbuffet und müssen lange suchen, bis wir alles finden. Es   ist alles vorhanden, was der Mensch sich wünschen kann, aber wir   können es nicht ausnutzen. Was gäben wir darum, allein hier zu sein   und in Ruhe frühstücken zu können! Wahrscheinlich würden wir sogar   die Große Mauer sausen lassen und uns nur hier an diesen   Köstlichkeiten vergnügen. Es ist das größte Frühstücksbuffet, das   ich bisher gesehen habe. Man kann es nicht einmal mit einem Foto   erfassen, sondern muss mehrere Bilder machen.
Um acht Uhr geht die   Fahrt los durch den morgendlichen Geschäftsverkehr. An jeder   Fußgängerbrücke blitzen irgendwelche Geräte und Kameras   fotografieren alle Autos. Wir sind sehr erstaunt darüber und   empfinden das als starke Kontrolle. Reiseführerin Liu erklärt uns,   damit würden die Chinesen leben. Alles diene eben der Sicherheit.   Wir sehen das etwas anders, können sie aber nicht überzeugen. Unser   Busfahrer zuckt nämlich schon von Zeit zu Zeit zusammen, wenn ihn   ein Blitz trifft. Die Straßen in Beijing sind breit, meist sechs,   acht- oder zwölfspurig – dennoch ist immer Stau. Auch wir stehen   erst einmal eine dreiviertel Stunde im Stau auf der 2. und 3.   Ringstraße, bis es langsam aus der Stadt hinaus geht auf die   Autobahn 110, die in die Mongolei und bis nach Tibet führt.

Von hier aus sind es 3580   km nach Lhasa, wie ich einem Schild entnehmen kann. Das nächste   Schild mit den Entfernungsangaben nach Lasa und nach Hohhot, der   Hauptstadt der Mongolei, habe ich fotografiert. Huhehaote  (Hohhot) ist die Hauptstadt des Autonomen Gebietes   Innere Mongolei in der Volksrepublik China. Der Name der Stadt ist   mongolisch und bedeutet Blaue Stadt; die chinesische Übersetzung   lässt jedoch auch andere Farben zu, daher erklärt sich die teilweise   genutzte Bezeichnung Grüne Stadt seitens der Chinesen.

Unterwegs auf der   Autobahn 110 in Richtung Mongolei
Die Entfernung von hier nach Lhasa   beträgt 3580 km, mit dem Auto ist das laut Google in 44 Stunden zu   schaffen, mit dem Bus dauert es zwei Tage und 7 Stunden. Das ist   schon eine gewaltige Entfernung, denn selbst mit dem Flugzeug   braucht man 7 Stunden. Tibetanische Aktivisten   haben die Kilometerzahl ausgelöscht und den chinesischen Namen für   Lhasa durchgestrichen. Die Tibeter wollen selbstständig sein und   löschen die chinesischen Bezeichnungen, aber die Chinesen betrachten   sie rigoros als eigenes Staatsgebiet.
Nach weiteren 2 1/2 Stunden kommen wir in Badaling an und   steigen bei 6°C, ziemlichem Wind und Sonne den Weg zur Großen Mauer   hoch. Wir sind total gespannt und voller Erwartung, wie diese   chinesische Mauer aussieht, die wir bisher nur von Bildern kennen.   Am Eingang stehen wieder 40 000 Menschen. Wir können nur froh sein,   eine clevere Reiseführerin zu haben, die die Tickets besorgt, die   für die Chinesen 15 Yuan, für die Ausländer 45 Yuan kosten (das sind   5 Euro pro Person).

So kann man sich in etwa in Bild davon machen, welche Summen an   Eintrittsgeldern allein an dieser Stelle der Mauer täglich den   Besitzer wechseln. Am gestrigen Sonntag waren es 70 000 Besucher.   Die Chinesen machen einfach aus allem Geld.

Dem Wunsch unserer Führerin entsprechend entscheiden wir für unsere   Besichtigung, dass wir den linken Mauerteil hinaufklettern, wo   weniger hinwandern, aber es ist naiv zu glauben, dass man die Mauer   ohne Menschen fotografieren kann. Dazu müsste man an eine Stelle   fahren, die weder chinesische noch europäische Touristen kennen.

Auf dem Bild sieht man vorn den Eingang  mit den Ticket-Centern. Auf dem rechten Teil der Mauer ist weit weniger Betrieb als auf dem linken. Die Mauer selbst ist   beeindruckend. Vor allem hätten wir nicht gedacht, dass sie so steil   ist. Die Touristen quälen sich über die unterschiedlich hohen Stufen   hoch und wir fragen uns, wie damals die Soldaten Waffen und Gepäck   hochgeschleppt haben müssen.

Wir machen ab und zu ein Päuschen und   wandern dann bis zum zweiten Wachtturm, den wir als Endpunkt unserer   Besichtigungstour ausgesucht haben. Den Aufstieg bereuen wir aber   nicht, denn der Ausblick ist faszinierend.

Natürlich stehen hier   überall auch chinesische Soldaten, die aufpassen, dass keiner   irgendwelche Dummheiten macht oder sogar Steine von der Mauer   mitnimmt. Sie schauen von Zeit zu Zeit sehr publikumswirksam durch   das Fernglas gen Norden in die Mongolei, ob da kein Dschingis Khan   angeritten kommt und die Mauer erstürmen will.
Nach dem Besuch der   großen Mauer ist natürlich unser Besichtigungsprogramm bei weitem   noch nicht zu Ende. Auf dem Wege zurück nach Beijing machen wir zum   Mittagessen halt in einer Porzellanmanufaktur mit einem Speisesaal   für 1000 Personen.
Wir merken schnell, dass die Mittagspause zum Einkaufen dienen soll, denn das Essen in dem ungemütlichen Speiseraum mit den runden Zehnertischen ist eine Touristenabfütterung , die die Chinesen wahrscheinlich gut kennen.  Für uns ist das aber nichts. Danach wird viel Zeit gegeben für einen Rundgang durch die Ausstellungshalle der Fabrik. Trotz  der Ming-Vasen und allerlei teuren   Sachen finden wir das Angebot aber nicht so interessant.

Vor dem Speisesaal der Porzellanfabrik   steht ein chinesischer Bus, aus dem gerade eine Reisegruppe   ausgestiegen ist. Über den Aufkleber an der Fensterscheibe des   Busses müssen wir lachen, denn dafür brauchen wir keinen Übersetzer.
Anschließend geht es weiter zum   Museum Dingling, das sind dreizehn Mausoleen und den Ming Gräbern,   in denen verschiedene Kaiser beerdigt sind.

Dingling-Mausoleum
Wir klettern in die Gruft   eines Wanli-Kaisers aus dem 16. Jahrhundert, der bereits mit 19   Jahren dieses Mausoleum bauen ließ und staunen über die vielen   chinesischen Touristen, die ihre Geldscheine auf die steinernen   Throne und Sarkophage häufen.

Kaiserthron in der Gruft
Es ist wie in Indien: Diese Tempel   sind für abergläubische Touristen die reinsten Geldvermehrungsorte.   Ein "Geldschein-Kehrer" fegt alle halbe Stunde alles zusammen. Auch   kein schlechter Job...

Geldscheine, die innerhalb eines Tages auf den Thron geworfen wurden
Zum Schluss spazieren wir   noch über den "Seelenweg", über den die Särge der verstorbenen   Kaiser zu Grabe getragen wurden. 18 Riesen-Figuren aus Stein (6   Tiere und 12 Beamte) säumen diesen Weg. Der Spaziergang in der   Nachmittagssonne tut uns gut, weil es ziemlich ruhig hier ist und   nur wenige Touristenbusse den Weg hierhin finden.

Der "Seelenweg" bei den Ming-Gräbern
Auf der Rückfahrt nach Beijing macht der Busfahrer auf unseren   Wunsch hin noch einen kleinen Umweg und zeigt uns das "Vogelnest"   und die olympischen Sporthallen von der Straße aus, sodass wir noch   ein Foto schießen können, bevor alles mit der untergehenden Sonne im   abendlichen Stau und Smog versinkt.

Das Olympiastadion in Beijing nennen die Einheimischen das   "Vogelnest".
Dienstag, 25.10.
Beijing - Platz des   himmlischen Friedens
Heute haben wir ein   umfangreiches Besichtigungsprogramm vor uns. Zunächst fahren wir zum Tian´anmen-Platz, das ist das absolute Zentrum des   sozialistischen Chinas. Der Platz heißt richtig: Tian´anmen   Guangchang (= Platz am Himmelsfriedenstor), aber er wird weltweit   fälschlich als der Platz des himmlischen Friedens bezeichnet. Wie   dem auch sei - so etwas haben wir noch nicht gesehen. Die   Menschenmassen, die sich auf dem größten Platz der Welt bewegen (mit   40 ha 4x größer als der Rote Platz in Moskau), sind unfassbar. Es   ist in der Tat so, dass er ein Fassungsvermögen von einer Million   Menschen hat.

Tian´anmen Platz - Platz   am Himmelsfriedenstor
Nach dem Tode Mao Zedongs   im Jahr 1976 wurde auf dem südlichen Teil des Platzes ein gewaltiges   Mausoleum errichtet, in dem seither der mumifizierte Leichnam des   „Großen Steuermannes“ ausgestellt ist. Jeder Chinese will ihn einmal   in seinem Leben sehen, wenn er in der Hauptstadt ist. Deshalb stehen   Tausende in der Warteschlange. Sie stehen eigentlich nicht, sondern   sie bewegen sich langsam vorwärts, weil man auch im Innern des 34 m   hohen Monumentalbaus nicht stehen bleiben und nicht fotografieren   darf. Ich habe in meinem Leben noch nie eine so lange Warteschlange gesehen. Sie ist echt einen Kilometer   lang und ich habe ein Panoramafoto aus 5 einzelnen Fotos   zusammensetzen müssen, um das zu verdeutlichen.

Kilometerlange   Warteschlange am Mausoleum von Mao Zedong
Ich hoffe, dass man die   Länge der Warteschlange erkennen kann: Die Schlange beginnt ganz   links in Zweierreihen und geht ca. 300 m nach Süden. Dort steht ein   Polizist, der den Umkehrpunkt markiert. Danach führt die Schlange   300 m wieder zurück bis zu der vorderen Lichtsäule. Von dort geht   sie nach rechts weiter und knickt nach weiteren 300 m nach innen in   das Gebäude ab. Einen Teil kann ich danach noch sehen, aber es geht   im Innern des Mausoleums noch weiter. Im Video   wird das noch deutlicher:
Der Platz ist gigantisch.   In dem Filmausschnitt sieht man die Warteschlange zum Mausoleum, die   Heldendenkmäler, die große Halle des Volkes und die Gedenkstele der   Volkshelden mit der Kalligraphie von Mao.
Wir stellen uns nicht an, weil uns Liu erklärt, dass die Wartezeit   viereinhalb Stunden beträgt und wir nicht mehr eingelassen werden,   weil die Tür um 11:30 Uhr geschlossen und erst um 14:00 Uhr wieder   geöffnet wird. Das Mausoleum ist morgens drei Stunden und   nachmittags zwei Stunden geöffnet. Außerdem sollte man nicht   vergessen, dass inzwischen wegen des enormen Besucherandrangs die   Mumie von Mao durch eine Wachsfigur ergänzt worden ist und man nicht   weiß, ob man gerade die echte Mumie aus dem Kühlkeller oder die   Wachsfigur betrachtet.
Auf mehreren 50m langen   Bildschirmen werden die Verdienste des chinesischen Volkes   herausgestellt, die Stärken des Landes demonstriert und   geschichtliche und politische Ereignisse interpretiert.   Rundum-Lautsprecheranlagen sorgen für die akustische Unterstützung.   Hier ein Video dazu:
In dem Filmausschnitt kann man die Weite des Platzes gut erkennen.   Alles wird mit unzähligen Laternen beleuchtet, die mit Lautsprechern   und Videokameras bestückt sind. An jedem Mast sind 6-8 Kameras   befestigt. Im Hintergrund ist das Tor des Himmelsfriedens zu sehen,   vor dem Mao am 1.Oktober 1949 die Gründung der Volksrepublik Chinas   ausrief. Hier hängt auch sein Porträt. Davor verläuft der Chang´an   Boulevard, das ist die 40 km lange Ost-West-Achse der Stadt. Das Video zeigt den beeindruckenden Verkehr   auf dieser Straße:
Diese 12-spurige Straße begrenzt den Platz an einer Seite. Auf der anderen Seite befindet sich der Eingang zur Verbotenen Stadt. Die Straße kann man nicht überqueren, sondern muss durch einen Tunnel auf die andere Seite.
Für die Besichtigung des Platzes haben wir nur eine halbe Stunde Zeit und können natürlich gar nicht alles mit den Augen erfassen. Da sind mehrere 50 m breite supermoderne LED-Bildschirme, auf denen sich China lautstark präsentiert, da ist der Bau für die Nationalversammlung und dem Plenarsaal mit 9000 Sitzplätzen und verschiedene Monumente. An uns vorbei schlendern so viele interessante Leute aus exotischen Ländern, dass wir uns am liebsten nur einfach hinsetzen würden und schauen. Aber das geht nicht. Es gibt keine Sitzmöglichkeit, keine Bänke oder Cafés auf den umliegenden Straßen, wie das in den großen Metropolen Europas ist, wo man sich hinsetzen kann und "people watching" machen kann. Das vermissen wir sehr. Hier ist nur eine Gigantomanie, die demonstrieren will, wie groß und mächtig China ist. Und die Chinesen, die diesen Platz besuchen, begreifen das und sind mächtig stolz darauf.
Zwei Dinge fallen uns auf: Kein einziges Fitzelchen Papier ist auf diesem Platz zu sehen. Dafür sausen Platzreiniger mit einem Spezialfahrrad durch die Gegend, die alles sofort aufheben oder säubern. Und die Überwachungskameras fallen ins Auge. An jeder Säule mit den Lampen, die den Platz beleuchten, sind 6-8 Kameras befestigt. Und von den Säulen gibt es über 100! Irgendwie muss der Staat gewaltige Angst haben, dass irgendeiner etwas anzettelt. Wir fragen Liu, aber die erzählt uns, das sei wegen der Sicherheit - die Chinesen wüssten das und würden das akzeptieren. Wie gut haben wir es doch in Deutschland!
Und was regen sich bei   uns die Datenschützer wegen irgendwelcher Videocameras auf! Hier   sind überall Videocameras: auf jeder Straße, in jeder   U-Bahn-Station, in jedem Hotel. Graffitis und Schmierereien an den   Wänden sind hier unbekannt. Na, wer sagt´s denn?
Dennoch schaffen es die Chinesen, die riesigen Menschenmassen   überall durch die Security-Kontrollen zu schleusen, ohne dass es   große Verzögerungen gibt. Hier unter dem Platz ist eine   U-Bahnstation. Natürlich muss jede Tasche durch den Röntgenapparat   geschoben werden. Auf der anderen Seite geht die Treppe unter der   Hauptstraße hindurch zum Kaiserpalast - auch hier die gleiche   Kontrolle. Beim Eingang zum Kaiserpalast: Wieder eine Kontrolle. Und   so fort. Auf allen Straßenkreuzungen finden wir wie in den   Kaufhäusern kleine, dunkle, halbrunde Kugeln mit Kameras. Wenn wir   auf der Autobahn fahren, blitzt es in gewissen Abständen und der   Fahrer erklärt uns, dass er wieder fotografiert worden ist. Aber   irgendwie lässt es sich auch damit leben. Wir stellen jedenfalls   fest, dass China trotz allem sehr weltoffen geworden ist.
Als wir aus dem U-Bahntunnel unter der Straße wieder auf der anderen   Seite des Platzes des himmlischen Friedens auftauchen, stehen wir   vor dem Kaiserpalast - und wie immer stehen wir nicht allein hier:

Über drei Marmorbrücken   geht es in das Innere des Palastes, also in die "verbotene Stadt",   und von dort durch das Mittagstor in den Palast.

Wir marschieren durch den   Innenhof und können uns gar nicht vorstellen, wie die zweistündige   Besichtigung mit den vielen Menschen ablaufen soll .

Aber die Anlage ist   natürlich wie alles hier ungeheuer groß (1 km lang und 750 m breit)   und im ersten Hof verlaufen sich bereits die Massen.

Da begreift man dann, wie   groß alles ist. Es gibt mehrere solcher Höfe und Paläste   hintereinander. Man erkennt aber sofort, dass die Bauten aus dem   15.Jahrhundert einige Kriegswirren hinter sich haben und von der   Kulturrevolution nicht verschont wurden. Schließlich sind nach der   Vertreibung des letzten Kaisers 1925 unermessliche Schätze zerstört   oder geplündert worden. Mao hat dann mit seiner Kulturrevolution den   Rest erledigt. Inzwischen hat man sich wieder ein wenig auf die   Vergangenheit und die Geschichte besonnen Das merkt man jedenfalls   bei der Palastbesichtigung. Einige Teile sind sehr schön restauriert   worden, die man ausländischen Gästen zeigt, andere sind sehr   verfallen - und zwei Drittel der Palastanlage können sowieso nicht   besichtigt werden.
Irgendwie scheinen die Chinesen immer noch eine gewisse Hochachtung   vor der Kaiserzeit zu haben, denn sie betrachten alles sehr   neugierig und ehrfürchtig. Allerdings kann man keine Räume betreten,   sondern jeweils nur hinter Fenstern oder Absperrungen einen Blick   ins Innere werfen. So sieht man dann lediglich im Innern der   früheren prunkvollen Gemächer ein paar Teppiche, einen Thron, ein   Bett oder ein paar Bilder. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man   den Chinesen den alten Prunk und Glanz gar nicht zeigen will,   sondern nur die verwitterten Restbestände der Vergangenheit.

Im hinteren Teil des   Palastes sind nicht mehr so viele Leute zu sehen, so haben wir auch   die Möglichkeit, die bronzenen Löwen, die vergoldeten   Löschwasserkessel und viele der kunstvollen Drachenfiguren ohne   störende Touristen zu fotografieren. Wir steigen über viele   abgewetzte Marmortreppen, Brücken und Querbalken auf den Fußböden,   die die Geister fernhalten sollen. Als Wächter stehen Drachen, Löwen   oder furchterregende Fabeltiere an den Treppenaufgängen.

Zum Schluss gehen wir   noch an den unzähligen Gemächern der Bediensteten, Eunuchen und   Konkubinen vorbei (manche Kaiser haben bis zu 3000 gehabt und Inge   fragt Reiseleiterin Liu, wie denn der Kaiser so etwas geschafft hat   - aber die weiß das auch nicht, obwohl sie ganz nette Geschichten   dazu zu erzählen hat) und dann durch den Garten der Frauen, aber der   ist wie alle chinesischen Gärten wieder mit vielen Steinen,   gepflasterten Wegen und knorrigen Bäumen dekoriert und nicht so   recht nach unserem Geschmack, obwohl die eingelegten Vogelbilder und   Symbole aus bunten Kieselsteinen ehemals gut ausgesehen haben   müssen.
Nach der Besichtigung des   Kaiserpalastes und dem anschließenden chinesischen Mittagessen   müssen wir natürlich noch das Himmelstor besuchen, weil es zur   Pflichtaufgabe aller Beijing-Besucher gehört.

Alle Tore auf dem Dammweg   sind in gerader Linie gebaut
Wir betreten den Park durch das Himmelstor und bewegen uns auf der   blauen Linie, die den Marathonlauf der olympischen Spiele von 2008   kennzeichnet und durch diesen Park führt. Die ehemals kaiserliche   Kultstätte ist das vollkommenste klassische Werk chinesischer   Baukunst.

Die Pagode mit dem Himmelsaltar in der Halle des Erntegebetes
Hier opferte der Kaiser   auf dem Himmelsaltar in einer Pagode, die ganz aus Holz erbaut ist   und 28 m hohe Holzsäulen besitzt. Mehr als ein alter Altar ist im   Innern auch nicht zu sehen, das man gar nicht betreten darf.
Zum Schluss gehen wir   über so viele Brücken, durch so viele Tore und Marmor-Altäre, dass   wir nach den vielen Erklärungen von Liu gar nicht mehr wissen, wie   die Opferriten eigentlich abliefen. Wir haben schließlich genug    von allen chinesischen Kaisern und atmen erleichtert auf, als uns   Liu ankündigt, für den Nachmittag eine Rikschafahrt durch die   Altstadt organisieren zu wollen.

Hutong ist ein mongolisches Wort und bezeichnet eine Gasse.   Vor einigen Jahren gab es in Peking noch sehr viele solcher Gassen,   aber die wurden alle abgerissen und durch neue Häuser ersetzt. Auch   das Altstadtviertel, durch das wir jetzt mit einer Rikscha fahren,   wird in zwei Jahren abgerissen, erklärt uns Liu. Aber jetzt sieht es   in der Tat noch so aus, als fühlte man sich in das alte China   versetzt Die Gassen sind in der Tat sehr eng und vollgestellt mit   Fahrrädern, Rollern, Karren und Autos, die irgendwo etwas abladen   oder aufladen. Natürlich sind auch wieder versteckte Hauseingänge,   seltsam riechende Garküchen, exotische Verkaufsstände und   abenteuerlich verlegte Elektroleitungen zu beobachten.
Das kannten wir ja schon   von vielen Chinatowns überall auf der Welt. Aber jetzt finden wir   auf den Leitungen die aufgehängte Wäsche zum Trocknen, das ist neu   für uns.

Die Idee an sich ist ja   nicht schlecht - aber abenteuerlich ist sie schon. Die Chinesen   setzen sich halt über alle Vorschriften hinweg - sie sind flexibel,   sagte uns Liu immer wieder, aber dieses Phänomen werde ich zum   Schluss unserer Reise noch einmal beschreiben, wenn ich alle   Erfahrungen gesammelt und zusammengefasst habe.

Altstadtgasse mit Restaurants in Beijing
Durch die Hutongs kommen wir in die belebte Altstadt, die natürlich chinatown-like aussieht: Geschäfte voller Krimskrams und auffälliger Beleuchtung, voller Menschen und exotischer Gerüche. Viele alte Häuser sind renoviert und haben wunderschöne Fassaden. Hier ein Video:
Es sind viele chinesische Touristengruppen unterwegs, für die das alles aufregend und neu ist. Eigentlich wundert uns das. Aber wer weiß, aus welchem Mongolendorf die auch herkommen...

Einkaufsstraße in der Altstadt von Peking - Shopping mit Atmosphäre
Allerdings hat man in diesem Gebiet auch schon viel abgerissen und durch neue Gebäude mit neuen Geschäften ersetzt. Das sieht natürlich alles sehr schön aus mit den tollen Geschäften von Prada, Louis Vuitton und anderen Luxusmarken.

Neue Einkaufsstraße in der Altstadt von Peking - Shopping ohne Atmosphäre
Aber die Geschäfte sind leer, keiner kauft dort etwas. Und zum Bummeln ist die wunderschön mit Granitplatten gepflasterte Straße trotz der Steinbänke und Blumenkübel an den Seiten auch nicht geeignet, weil man Straßenbahnschienen in der Mitte gelassen hat. Und dann wundern sich die Stadtplaner, dass in den Nebengassen die Menschen ungestört durch die Fußgängerzone schlendern und sehr viel mehr Kauflust entwickeln als auf der Hauptstraße. Das Video vermittelt einen Eindruck davon:
Was mir bei den Fahrten   mit der Rikscha durch die Altstadt aber noch aufgefallen ist, sind   die Elektrofahrräder und Elektroroller, die völlig geräuschlos   angesaust kommen und sich durch den dichten Verkehr, gleichzeitig   aber auch über die Bürgersteige und durch die Fußgänger schlängeln:
Wir selbst bekommen   immer noch einen Schreck, wenn es hinter uns schnarrt und so ein   Flitzer angesaust kommt, aber die Chinesen reagieren gar nicht mehr   darauf.
Es sind erstaunlich viele Frauen damit unterwegs, die vorne und   hinten Einkaufskörbe haben. Viele fahren auch zu zweit auf diesen   Dingern; die sind dann supermodern mit einem Computer ausgerüstet,   klein und handlich und haben hinten einen Sitz für die Ehefrau.
Erstaunlicherweise gibt es hier überhaupt kein Geknattere und keinen   Gestank von Mofas und Rollern wie in Bangkok oder Delhi gibt. In   dieser Beziehung ist China schon 20 Jahre weiter als andere   asiatische Länder. Das muss man neidlos anerkennen.
Die Pekingente
Wenn man in Beijing   gewesen ist, muss man natürlich eine Pekingente gegessen haben. Das   ist nicht zu vergleichen mit einer Pekingente, die man in einem   deutschen Chinarestaurant oder irgendwo auf der Welt vorgesetzt   bekommt, sondern es ist ein bestimmtes Ritual, das uns auf unserer   Chinareise Feng Wei mehrmals erklärt hat. Das ist wie Teetrinken in   Japan oder Kawatrinken in Fiji.
Liu organisiert für unsere vier Ehepaare für 200 Yuan ein   Pekingenten-Essen in einem Spezialitätenrestaurant in Beijing, das   besonders berühmt für Pekingenten ist. Als wir dort ankommen, ist   irrer Betrieb in dem Restaurant, aber wir werden in ein besonderes   Separeé geführt, das einen 8er-Tisch und eine eigene Toilette hat.   Wir sind total perplex und wissen nicht, was das bedeuten soll. Liu   kommt kurz herein und erklärt, dass es eine Speisenfolge mit 10   Gängen geben wird und die Ente ein Gang davon ist. Alle Getränke   seien frei und inbegriffen; dann verschwindet sie wieder und lässt   uns allein, obwohl wir sie einladen, mit uns zu essen und uns alles   zu erklären. Das kommt uns seltsam vor; vielleicht darf sie nicht   mit uns essen oder wird überwacht - wir wissen es nicht.
Jedenfalls   kommt eine Kellnerin und setzt uns erst mal eine Flasche Rotwein   "The Great Wall" auf den Tisch, obwohl wir alle Bier trinken wollen.   Das bringt sie dann aber trotzdem in Form von zwei Flaschen "Hans"   und "Tsingtao"- Bier und wir stoßen alle miteinander auf den letzten   Abend in Peking an.
Prost!
乾杯!
Gānbēi!

Eigentlich ist das Wort "Prost" oder "Zum Wohl" zusammengesetzt aus   leer machen und Glas. Es heißt also: "Mach das Glas leer". Das   sollte man jedoch nicht wörtlich nehmen - besonders bei diesem Wein   nicht!
Wir müssen daran denken, dass die Chinesen alles kopieren, was ihnen   in die Hände fällt - natürlich auch den Wein. Aber das schaffen sie   offensichtlich noch nicht! Welch ein Glück für die Australier,   Chilenen und Italiener, die hier ihre Produkte los werden wollen.   Aber vielleicht brauchen wir nicht lange zu warten, bis der erste   chinesische Wein mit einer guten Bewertung von Parker oder Johnson   auftaucht. Ein Insider erzählte uns sogar, dass inzwischen Tanker   mit Wein aus Australien und Chile draußen vor Shanghai lägen, auf   denen mit Abfüllmaschinen und Etikettieranlagen chinesischer Wein   produziert würde. Zuzutrauen ist den Chinesen das durchaus.
Danach werden die üblichen Gemüse und Vorspeisen auf den Drehteller   gestellt. Unter anderem auch ein kompletter Fisch, der seltsam   gerupft aussieht, obwohl er offensichtlich ganz frittiert ist. Wider   Erwarten schmeckt er gar nicht schlecht.

Ein seltsam dekorierter Fisch, der aber gut schmeckt
Als nächstes kommt eine   seltsame Vorspeise: Es ist ein gefüllter Chinakohl, der nur leicht   blanchiert ist und die Form einer kleinen Schüssel oder Tasse hat.   Man muss ihn mit den Händen essen und wir beißen alle nach   chinesischer Art herzhaft hinein. Irgendwie glaubt man, dass man ein   Hase ist und an einem Kohlkopf knabbert.

Der gefüllte Chinakohl wird traditionell mit den Fingern gegessen.
Das Rezept der   Pekingente, die zu den berühmtesten Genüssen der chinesischen Küche   gehört, stammt aus der Zeit der Ming-Kaiser. Dazu werden Enten mit   einem besonderen Futter in einem dreiwöchigen Schnellkurs gemästet   (wie bei den Franzosen die Gänse), aber gleichzeitig sportlich in   Bewegung gehalten, damit ihr Fleisch zart bleibt und die Haut dünn.   Die Haut ist im Übrigen das Wichtigste für die Chinesen, deshalb   werden die Enten nach dem Schlachten nur gerupft, aber nicht   ausgenommen. Man schneidet sie am Hals auf und bläst sie   anschließend wie einen Luftballon auf, damit sich die Haut vom   Fleisch ablöst. Danach werden die Innereien durch einen möglichst   kleinen Schnitt unter dem Flügel entfernt und die Ente wird mit   kochendem Wasser übergossen, gewürzt und anschließend mit heißem   Honig eingepinselt. Anschließend wird die Ente einige Stunden am   Hals aufgehängt und getrocknet. Erst danach wird sie hängend in   einem Spezialofen gegart, wobei die Haut sich dann aufbläht, schön   knusprig und rotbraun wird.
Dann kommt der Koch mit einem Wagen und zelebriert das Zerschneiden   der Pekingente.
Diese nach dem obigen Verfahren vorbereitete Ente wird vom Koch   zunächst den Gästen gezeigt und von ihm wird die Haut in   gleichmäßige dünne Scheiben geschnitten und dem Gast serviert. Der   legt diese mundgerechten Scheiben auf hauchdünne Pfannkuchen, die er   mit einer schokoladenartigen Soße bestrichen hat. Darauf werden   feine Lauchstreifen geschichtet und anschließend wird alles   eingerollt, sodass es wie eine Frühlingsrolle aussieht. Der Fachmann   macht das alles mit Stäbchen, was natürlich eine Kunst ist. Wir   lernen es von der Kellnerin, die uns das vormacht. Hier das Video davon:
Die Ente schmeckt verflixt gut und anschließend bleibt am Ende nichts mehr von ihr auf dem Tisch, sondern nur von den anderen Speisen bleibt was übrig.
Zum Schluss macht zur Verdauung das Kännchen mit dem 58%igen Reisschnaps seine Runde, den wir ja inzwischen kennen und der uns immer besser gefällt. Mehr als ein Kännchen ist aber leider nicht drin, denn Liu kommt und sagt, der Bus stehe draußen und wir müssten einsteigen.
Das war unser letzter Tag in Beijing. Morgen Mittag geht es weiter zum südchinesischen Meer auf die Insel Hainan.
Das war die Rundreise in China "Im Reich der Drachen und Dämonen" mit Meiers Weltreisen.
Sie hat uns ausgezeichnet gefallen und wir können sie jedem empfehlen. Wir haben noch viel mehr gesehen, aber ich kann nicht alles beschreiben. Besonders gefallen haben uns Feng Wei und die anderen örtlichen Reiseleiter, weil sie viele interessante Dinge  von Land und Leuten erzählt haben. Nun sind das alles individuelle Eindrücke, aber ich habe von den anderen Reiseteilnehmern keine negativen Bemerkungen gehört. Die Reiseleiter und Reisebusse standen überall pünktlich bereit und alles war perfekt organisiert. Dass die örtlichen Reiseleiter nicht alle gleich gut Deutsch sprechen, muss man akzeptieren, dass sie kritische Bemerkungen unter Umständen nicht kommentieren oder ihr Land aufs Höchste loben, auch.
Die Hotels waren alle erstklassig, wobei uns manchmal nicht gefallen hat, dass wir zu einem Touristenessen geführt wurden und nicht Sonderangebote des Hotels wahrnehmen konnten. Auch das frühe Aufstehen fanden wir nicht gut, weil es immer zu einer unnötigen Hetze führt und man den Tag nicht gelassen beginnen kann. Dabei wäre das so einfach: Das Programm müsste so geschnitten werden, dass ein entspannter Tagesablauf gesichert wäre. Aber vielleicht sehen das andere Teilnehmer anders, denn Rundreisen sind nun mal stressiger als Erholungsreisen.
Das ist auch der Grund, weswegen wir uns anschließend auf der Insel Hainan, dem "Hawaii Chinas" im Süden von China erholt haben. Wenn Sie sich für die Reiseerlebnisse auf Hainan interessieren, schauen Sie sich doch die Webseite Hainan - das "Hawaii Chinas" an!
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