Klassenfahrt nach Indien - Reiseberichte von Hawaii und anderen Trauminseln

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Reiseberichte von Paul Tresselt

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Klassenfahrt nach Indien

Reisetipps
Klassenfahrt nach Indien
Warum alle deutschen   Schülerinnen und Schüler einmal während ihrer Schulzeit nach Indien   fahren sollten
Indien ist ein   Erlebnis. Unvergleichlich mit anderen Ländern: die Masse der Menschen, die Lebensweise, die Götterwelt, einfach alles; besonders aber die Armut!
Ich kann es einfach  nicht mehr hören, wenn davon gesprochen wird, dass in Deutschland 26,4% aller Menschen an der Armutsgrenze leben. Ich glaube, dass Deutschland gar nicht mehr weiß, was Armut eigentlich ist und wie "Armut" definiert werden soll. Die deutsche  Definition von Armut kann es jedenfalls nicht sein. Wenn jemand Arbeitslosenhilfe bezieht und dazu Wohngeld bekommt, die Waschmaschinenreparatur bezahlt bekommt und die Kinder in der Schule Taschenrechner, Bücher und Klassenfahrten nicht zu bezahlen brauchen, so ist das eine fürstliche Armut - verglichen mit dem, was in anderen Ländern als arm gilt.
Indien wäre so ein   Beispiel. Die Inder behaupten im Jahre 2010, sie hätten die Armut   überwunden. Jeder könne arbeiten, wenn er nur wolle. Es läge schließlich an jedem selbst, ob er arbeiten wolle oder nicht. Auch bei 1,2 Mrd. Menschen sei das der Fall. Und wer gar keine Arbeit zu finden glaubt, für den hat der Staat Beschäftigungsprogramme. Während der drei Monate im Jahr, in denen es keine Ernten gibt, bei denen Erntehelfer gesucht werden, kann man im Straßenbau arbeiten - auch als Frau -, bei der Verkehrsregelung mithelfen, öffentliche Gebäude reinigen oder Grünflächen sauber halten u.v.a.m. Als Entgelt erhält man 300 Rupien täglich (= 4,80 €). Das ist der Betrag, mit dem man lt. Regierung auskommen kann. Schließlich gibt es ja auch noch Familienmitglieder und Verwandte, die die Verpflichtung haben füreinander zu sorgen. In diesem Sinne ist es nach Ansicht des Staates also auch gar nicht so schlecht viele Kinder zu haben (lieber Jungen als Mädchen natürlich, weil man dadurch die Mitgift und teure Hochzeit spart). Indien ist stolz auf seine Bevölkerungszahl und erwartet mit 1,4 Mrd. Menschen China zu überflügeln und der mächtigste Staat zu werden (welch ein Wahn!). Menschen wären ein ungeheures Potential, sagen die Politiker.
Deutsche Schülerinnen und Schüler sollten während ihrer Schulzeit unbedingt einmal Indien besuchen! Eine Klassenfahrt nach Indien wäre das Richtige! Bereits eine Woche Indienaufenthalt in einer Familie würde vollkommen reichen, um sämtliches Anspruchsdenken auf ein Mittelmaß zurückzuschrauben. Die wesentlichen Probleme des Lebens mit allen menschlichen Grundbedürfnissen (essen, wohnen, arbeiten, miteinander leben) würden ihnen in dieser Zeit in einer komprimierten und drastischen Form hautnah verdeutlicht.
Die Schülerinnen   und Schüler würden erkennen,
  • dass man die Speisen so kräftig würzen kann, dass man nicht mehr schmecken kann, ob es sich um Fleisch, Fisch oder Tofu handelt,
  • dass Wasser ein außerordentlich kostbares Lebensmittel ist, das man nicht einfach verschwenden darf,
  • dass eine funktionierende Toilette mit Wasserspülung eine hoch einzuschätzende technische Errungenschaft ist, die man mutwillig nicht verstopfen sollte,
  • dass eine asphaltierte Straße, ein begehbarer Bürgersteig und ein staubfreier Schulhof eine fantastische Sache sind, die man schätzen sollte, weil man sich nicht durch Kot und Schmutz den Weg suchen und seine Schuhe jeden Abend davon säubern muss,
  • dass jeder jeden irgendwie zu übervorteilen sucht, weil er aus dem bisschen, das er verdient, ein bisschen mehr machen will. (Beispiel: Die Bauern vermischen ihre Milch mit Wasser und verkaufen sie als Vollmilch. Alle wissen das und kaufen sie   trotzdem, weil sie die Milch dringend benötigen.),
  • dass jeder jeden irgendwie beschummelt und die Wahrheit so auslegt, wie sie für ihn günstig erscheint,
  • dass das traditionelle Kastensystem sehr hinderlich für die positive Weiterentwicklung des Staates und der Gesellschaft ist, weil es viele fortschrittliche Entscheidungen nicht zulässt,
  • dass Frauen in vielen Bereichen deutlich weniger Rechte und Chancen haben als Männer,
  • dass Eltern darüber bestimmen, ob ihre Kinder zur Schule gehen sollen oder nicht (Es gibt keine allgemeine Schulpflicht, was dazu führt, dass man in den ärmeren Schichten einfach kalkuliert, ob nicht die Arbeitskraft von Kindern in der Familie, auf dem Feld, in  der Heimarbeit oder in der Fabrik mehr für den Lebensunterhalt der Familie beiträgt, als wenn sie die Kinder in die Schule zu schicken und auch noch dafür zusätzliches Geld für Bücher, Kleidung und Essen ausgeben müssen),
  • dass Indien die allgegenwärtige Korruption beseitigen muss, wenn es stabile Verhältnisse schaffen und als verlässlicher Partner gelten will (Beispiel: Bei den Wahlen sorgen die Abgeordneten der untersten Kasten und der ärmsten Bevölkerungsschichten mit Geldgeschenken dafür, dass diese zur Wahl gehen und sie wählen. Da es keine Wahlpflicht gibt und die Wahlbeteiligung sehr gering ist, werden also die   Abgeordneten gewählt, die am besten bestechen können und nicht   die, die die fähigsten sind. Anderes Beispiel: In Bharatpur haben die armen Bauern vor der Wahl einer Partei angekündigt, sie würden sie nur wählen, wenn anschließend Selbstbau-Autos  ohne Karosserie zugelassen würden. Die betreffenden Abgeordneten haben das versprochen, wurden gewählt und jetzt fahren dort auf den Straßen viele billige Selbstbauautos ohne Karosserie herum -  Bild: Selbstbau-Auto.),
  • dass der Mindestlohn eines Arbeiters oder Angestellten je nach Ausbildung 80...150 Rupien pro Tag beträgt, das sind etwa 1,30...2,40 € ( Ein Auszubildender im Hotelgewerbe verdient zwischen 500...1000   Rupien pro Monat (etwa 8...16 €). Eine Flasche Wasser kostet 10 Rupien, ein Liter Milch 12...15 Rupien. Ein Lehrer an einer staatlichen Schule verdient zwischen 280...400 €uro im Monat, hat aber Krankenkasse und Wohnung frei.),
  • dass man   relativ leicht Arbeit findet, wenn man eine Ausbildung im naturwissenschaftlichen oder technischen Bereich hat oder gute Computerkenntnisse nachweisen kann (andererseits aber auch im weniger gut bezahlten Verkaufsbereich arbeiten will, flexibel ist und weiter entfernte Stellen anzunehmen bereit ist; die Zeitungen sind voll von Stellenangeboten),
  • dass Kühe und viele andere Tiere heilig sind und nicht verjagt werden, weil sie im früheren Leben Menschen gewesen sind oder weil man später nach dem Tode selbst als solch ein Tier wiedergeboren wird,
  • dass es ein   sehr unübersichtliches und schwer zu verstehendes Göttersystem   gibt,
  • dass es sehr chaotisch wird, wenn die Menschen ihre Regeln und Gesetze nicht einhalten, sondern
    Ø  bewusst über Zäune und Absperrungen klettern,
    Ø  bewusst als Geisterfahrer auf der Gegenfahrbahn fahren,
    Ø  ihren Müll überall aus dem Fenster werfen,
    Ø  vorgezeichnete  Wege in Parks bewusst nicht einhalten, sondern sich eigene  Trampelpfade schaffen,
    Ø  Verkehrszeichen  bewusst missachten,
    Ø  Verkehrsregeln ohne Kontrollen nicht einhalten,
    Ø  ihre Fahrzeuge über die Grenzen der Belastbarkeit und Sicherheit   beladen,
    Ø  sich unrechtmäßige Vorteile durch Absprachen, Bestechung oder Betrug verschaffen.
Das ist natürlich nicht alles. Aber durchaus genug, um alles innerhalb einer einwöchigen Klassenfahrt zu beobachten und sich ein paar Gedanken zu  machen. Das würden Schülerinnen und Schüler mit Sicherheit auch, wenn sie die Menschen bei ihrer Arbeit auf der Straße, in den Geschäften oder auf dem Feld beobachten. Dazu brauchen sie nicht einmal ein Betriebspraktikum. Es ist nämlich erschütternd, wie ineffektiv und mit welcher Arbeitsmoral gearbeitet wird. Andererseits verdeutlicht es drastisch das Problem der sinnvollen Beschäftigung eines Landes mit einer Milliardenbevölkerung.
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